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Ausstellungen - Gera:Geraer Ausstellung erzählt Geschichte der DDR-Groschenromane

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Kurator Matthias Wagner. Foto: Bodo Schackow/dpa-zentralbild/dpa (Foto: dpa)

Gera (dpa) - Sie waren als "Schund" verpönt und in den 50er Jahren wurde in Zeitungen vor ihrem negativen Einfluss auf die Jugend gewarnt: Groschenromane. Doch in Ost und West fanden die dünnen Hefte mit Abenteuer-, Liebes- und Kriminalgeschichten über Jahrzehnte ein großes Publikum. Unter dem Titel "Geliebt, gehasst, geduldet" leuchtet das Stadtmuseum Gera nun in einer Sonderausstellung die Welt der Groschenromane in der DDR aus. Während etlichen Reihen nur ein kurzes Dasein vergönnt war, begleiteten andere wie "Das neue Abenteuer", "Blaulicht" oder "Erzählerreihe" in hoher Auflage die Leser über Jahrzehnte - bis zu ihrem Ende mit der Wiedervereinigung.

"Im Weltbild des Sozialismus waren Groschenhefte eigentlich nicht vorgesehen", berichtete Kurator Matthias Wagner am Dienstag. Doch in den 50er Jahren kamen sie massenhaft aus dem Westen über die damals noch offene Grenze in die DDR. Einerseits wurden sie bekämpft, wie in der Schau Zeitungsartikel und der Propagandafilm "Attentat auf unsere Kinder" von 1955 belegen. Schließlich legten aber auch Ost-Verlage solche Reihen über Kriminalfälle, historische Begebenheiten und Abenteuer auf. Allein im Jahr 1966 gab es nach Angaben des Museums sieben Reihen mit rund 80 Heften und einer Gesamtauflage von etwa 10 Millionen Exemplaren.

Die Hefte seien alle mehr oder weniger politisch gewesen, betonte Wagner. So hätten viele Geschichten im Militärmilieu gespielt oder sich um Agententätigkeiten, den Schmuggel von Waren in den Westen oder Sabotage gedreht. Erfolg beim Leser hätten vor allem die Reihen gehabt, die eine Ausgewogenheit zwischen Ideologie und Unterhaltung boten. Zudem seien sie für manch jungen Illustrator und Autor ein Karrieresprungbrett gewesen.

Serien über einzelne Helden wie "Perry Rhodan" oder "Jerry Cotton" sind unter den Ost-Reihen allerdings rar. Dafür wird etwa in der Reihe "Das neue Abenteuer" 1961 der Weltraumflug Juri Gagarins aufgegriffen oder werden Geschichten von Mark Twain, Emile Zola und Jack London als Heft geboten. Auf diese Weise wurde offensichtlich versucht, vor allem Jugendliche an Weltliteratur heranzuführen.

Insgesamt zeigt das Museum rund 300 Objekte, darunter Erstausgaben einzelner Reihen und Hefte bekannter Illustratoren und Autoren wie Gerhard Goßmann, Rolf Felix Müller und Erich Loest. Gezeigt wird auch ein Heft der "Kleinen Jugendreihe" von 1958 mit einer Geschichte von Karl May. Eine kleine Sensation, wie Wagner betonte, da Werke von May zu dieser Zeit in der DDR nicht gedruckt werden durften. An einzelnen Beispielen wird zudem gezeigt, dass die DDR-Groschenhefte zu Beginn in reißerischer Aufmachung und Gestaltung ihren Pendants aus dem Westen nicht nachstanden. Mit der deutschen Einheit wurden die Reihen dann aber allesamt eingestellt.

Die Ausstellung "Geliebt, gehasst, geduldet - Groschenhefte in der DDR" öffnet an diesem Mittwoch (10. Juni) für Besucher und ist bis zum 18. Oktober zu sehen.

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