Ausstellung "Punctum" in SalzburgKoteletten gegen den Gesichtsverlust

Wenn das Detail eines Fotos den Betrachter tief berührt, sprechen Fachleute seit den Achtzigerjahren vom "Punctum". Aber kann uns die Fotografie im Zeitalter der digitalen Bilderflut überhaupt noch beeindrucken? 50 Kulturschaffende geben Antworten.

Von Paul Katzenberger

Wenn das Detail einer Fotografie den Betrachter tief berührt, fesselt oder sogar verwundet, sprechen Fachleute seit den Achtzigerjahren vom "Punctum". Aber kann uns die Fotografie im Zeitalter der digitalen Bilderflut überhaupt noch beeindrucken? 50 Kulturschaffende geben teils überraschende Antworten.

Es ist eine Momentaufnahme, die auf einen Schlag die Endlichkeit des Lebens verdeutlicht: Sie zeigt die 84-jährige Mutter des Künstlers Felix Gmelin, die dieser während einer Skype-Unterhaltung mit ihr im April 2014 als Screenshot anfertigte.

Man sieht auf dem Bild nur den oberen Teil ihres Kopfes, im Hintergrund schemenhaft die Porträts von Gmelins Groß- und Urgroßmutter.

Die drei Frauen hatten als Ärztinnen oder als Geigerin Anerkennung in Zeiten erlangt, in denen es unüblich war, dass Frauen solche prestigeträchtigen Berufe ausübten: "Generationen feministischer Ambitionen innerhalb meiner Familie kommen auf diesem einfachen Screenshot während einer Skype-Unterhaltung zusammen", sagt Gmelin erklärend, den das Foto ansonsten tief beunruhigt. Denn "wenn ich dieses weiße Haar auf Skype sehe, befürchte ich manchmal, dass dies das letzte Bild ist, das ich von meiner Mutter sehe."

Felix Gmelin, Screen Shot, 2014-04-27 at 21.41.58, 2014

Bild: Felix Gmelin 13. August 2014, 08:312014-08-13 08:31:53 © SZ.de/mkoh/rus