Ausstellung Prost dem Kosmos!

Eine Schau in Krems zeigt "Die fantastische Welt der Science-Fiction" in Karikaturen und Comics.

Von CHRISTOPH HAAS

"Ha'm Sie schon mal den Mann im Mond gesehen?" - das fragte, mit schwerem amerikanischem Kaugummiakzent, der jüngst verstorbene Schlagersänger Gus Backus in einem seiner größten Hits. 1961 war er damit auf der Höhe der Zeit. Vier Jahre zuvor hatte der Sputnik die Erde umflogen und zu einem hektisch-ambitionierten "Space Race" der beiden Supermächte geführt. Einige Zeit hatten die UdSSR die Nase vorne: erster Mann im Weltraum (Juri Gagarin, ebenfalls 1961), dann die erste Frau (Walentina Tereschkowa, 1963), erster Weltraumspaziergang (1965), erste unbemannte Landung auf dem Mond (1966). Aber die Sieger waren schließlich doch die USA, als Neil Armstrong am 20. Juli 1969 aus Apollo 11 stieg und den bekannten Satz sprach: "That's one small step for a man, one giant leap for mankind."

In "Wettlauf zum Mond!" zeigt das Karikaturmuseum im unweit von Wien gelegenen Krems, welchen Niederschlag dieses historische Ereignis - und die Faszination an der Raumfahrt überhaupt - in deutschen und österreichischen Karikaturen, Illustrationen und Comics gefunden hat. Herzstück der Ausstellung sind die Originale von 45 der insgesamt fast 1800 Cover, die der Künstler Johannes Herbert "Johnny" Bruck (1921 - 1995) für "Perry Rhodan" gezeichnet hat. Seit 58 Jahren liegt die Science-Fiction-Serie wöchentlich an den Kiosken aus; inzwischen gibt es sie auch in Hardcover-Versionen sowie als E-Book und Hörbuch. Zusammen mit den Gründern und Autoren K. H. Scheer (1928 - 1991) und Clark Darlton (bürgerlich: Walter Ernsting, 1920 - 2005) hat Bruck "Perry Rhodan" über Jahrzehnte geprägt. Was die drei Männer verband, war eine generationentypische Erfahrung: Sie waren alle im Krieg gewesen, und die Erinnerung daran ließ sie wohl nie mehr los. Vor allem Scheer war berühmt-berüchtigt dafür, im Weltraum Materialschlachten zu entfachen; in den von ihm geschriebenen Stories tobt ein heftigerer "Krieg der Sterne", als es in "Star Wars" je der Fall war.

Dieses Konzept einer waffenverliebten Military-Science-Fiction spiegelt sich in Brucks Arbeiten aus den Sechzigern in radikaler Weise wider. Schon das Cover von "Unternehmen Stardust", des ersten "Perry Rhodan"-Heftes, ist exemplarisch: Da rennen drei Männer in Schutzanzügen auf eine nadelspitze Rakete und einen bulligen Panzer zu; man sieht sie von hinten; der letzte der drei, der ein Strahlen-Gewehr in der Hand hält, wendet sich mit prüfend-zusammengekniffenen Augen um. Das ist eine Kriegsszene, verfremdet nur durch ihr extraterrestrisches Setting. Ähnliches findet sich mehrfach: Vor dem Hintergrund abgeschossener, brennender Raumschiffe marschiert eine Astronautenkolonne auf den Betrachter zu; ein anderer Astronaut feuert, mit verzerrtem Gesicht und hinter einem Felsen halb verborgen, wie aus einem MG-Nest; Kampfflugzeuge sind futuristische Versionen realer Vorbilder.

Als Scheer ab Mitte der Siebziger nicht mehr die Exposés schrieb, wandelte sich der Geist der Serie. Entsprechend friedlicher gerieten Brucks Bilder; das jüngste Beispiel in Krems stammt aus dem Jahr 1994. Atmosphäre statt Action war nun das Stichwort, vor allem bei den Wrap-Around-Covern, die Hefte mit Jubiläumsnummern besonders attraktiv gestalten sollten: Riesige Raumschiffe schweben über lebensfeindlichen Welten, die sich durch bizarre, steil aufragende Felsformationen auszeichnen; der Himmel ist tiefschwarz oder gelbrot gefärbt. Dass Bruck sich auch auf die Kunst des kreativen Klauens verstand, zeigt sein bekanntestes Cover, auf dem Perry Rhodan vor dem Hintergrund des Alls zu sehen ist. Von gleich drei amerikanischen Vorlagen hat Bruck hier abgekupfert. Die bemerkenswerteste Übernahme betrifft das Gesicht Rhodans: Der Weltraumheld trägt die Züge des Fliegers Charles Lindbergh.

"Perry Rhodan" ist mehr als eine außergewöhnlich erfolgreiche SF-Serie; aus ihr ließe sich auch einiges über die bundesrepublikanische Mentalitätsgeschichte erfahren. Die Ausstellung ist an diesen Zusammenhängen leider nicht interessiert, sondern begnügt sich mit einer Fan-Perspektive. Hinzu kommen allgemeine konzeptionelle Schwächen. Die Auswahl an Karikaturen zum Thema Mondfahrt ist bescheiden, auch in qualitativer Hinsicht. Deplatziert wirkt die Präsentation der unbestreitbar originellen österreichischen Comic-Serie "ASH": Das Kürzel steht für "Austrian Superheroes", und Science-Fiction spielt in ihr daher so gut wie keine Rolle. Ebenfalls nur bedingt passend, aber hervorragend sind die Arbeiten von Michaela Konrad. Die 1972 in Graz geborene Künstlerin entwirft Cover fiktiver Comic-Serien, die auf den ersten Blick als perfekte Pastiches der kultigen EC Comics der Fünfziger daher kommen, sich aber als satirische Kommentare zu aktuellen Problemen wie Amokläufen an Schulen, Gentechnik-Experimenten, islamistischem Terrorismus und Kriegsführung mit Drohnen erweisen.

"Wettfahrt zum Mond!" ist eine Ausstellung, die primär zum Schauen einladen will. Ein paar naturwissenschaftliche Aspekte werden spielerisch angesprochen. In mehreren Schaukästen erläutern kurze, von einem jungen Astronomen und "Science Buster" verfasste Texte, wie das mit Newton und dem Apfel war und warum die Raumschiffe der Zukunft einen Ionenantrieb benötigen. Außerdem findet sich dort der schöne Satz: "Bier ist Geschmack gewordene Astronomie!" Das Wasser auf der Erde ist nämlich zum Teil erst durch Asteroiden und Kometen zu uns gelangt, und der Kohlenstoff im Alkohol kommt aus der "Asche der allerersten Sterne", die vor Milliarden Jahren explodiert sind. Da kann man nur sagen: Ein Prost dem Kosmos!

Wettlauf zum Mond! Die fantastische Welt der Science-Fiction. Karikaturmuseum Krems, bis 27. Oktober. Kein Katalog.