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Ausstellung "Phone Photography":Voyeure des Alltags

Mit dem Handy in der Tasche wird jeder zum Erzähler. Italienische Fotografen dokumentieren ihre Wirklichkeit mit dem Smartphone.

Von Carolin Gasteiger

12 Bilder

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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Mit dem Smartphone in der Hand kann jeder seine eigene Wirklichkeit dokumentieren, wird jeder zum Erzähler. Im richtigen Augenblick genügt ein simpler Klick (oder noch weniger: ein sanftes Tippen). Eine Ausstellung im italienischen Bibbiena (mehr Infos hier) widmet sich diesen Momenten: Einheimische Künstler haben ausschließlich mit dem Handy fotografiert und ihre Bilder bereits im Netz gepostet und geteilt. Trotzdem wollten die Kuratoren die Bilder in "Phone Photography" noch einmal präsentieren. Der Vorteil: Der Betrachter kann die Bilder bewerten, kritisieren oder beurteilen, ohne sich verpflichtet zu fühlen, "Gefällt mir" zu klicken. Eine Auswahl der Aufnahmen - und die Kommentare der Künstler.

"'Die unsichtbare Zone' ist eine Art Parallelprojekt zu meiner eigentlichen Arbeit. Die Smartphone-Fotos zeigen, was ich während einer Idee oder eines Projekts sehe, wohin ich laufe, was ich spüre. Es sind im Bild festgehaltene Momente, spontan und unvoreingenommen."

Alberto Bregani

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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"Es gibt kein natürliches Licht, keine Landschaft, die vor dem Waggonfenster vorbeizieht, und Fremde teilen sich gleichermaßen Raum und Zeit - all das macht aus der Metro ein Transportmittel, das von Natur aus zur Selbst- und Fremdbeobachtung einlädt."

Leonardo Brogioni

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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"Das Smartphone ist eine großartige multifunktionale Erfindung. Es vereint unser Bedürfnis, sich über Bilder mit anderen auszutauschen, mit einer Ausdruckskraft, die über Schrift, Ton und Bewegung hinausgeht. Mit dem Handy halten wir alles Ungewohnte im Alltag im Bild fest. Aber auch wenn sich das fotografische Medium ändert und weiterentwickelt, der Blick auf die Welt bleibt. Das ist es, was mich interessiert."

Mario Cresci

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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" 'Ich halte zu Putin' war ein Slogan, unter dem der rechtsextreme Fronte Nazionale im September 2014 Plakate aufhängte. Damit spielte die Partei auf die Äußerungen des russischen Präsidenten Putin an, über die vermeintliche Schwulen-Lobby und den Eingriff in den Krieg in Syrien. Die Aufnahme gehört zur Serie 'Nachrichten', in der ich Politiker-Plakate in den Straßen Roms beobachte. Sie verändern sich mit der Zeit, vergilben durch Wind und Wetter oder werden von Passanten beschmiert."

Giovanni Del Brenna

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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"Das Meer fotografiere ich aus purer Leidenschaft. Ich bin in seine unvorhersehbare Lebendigkeit verliebt. Vielleicht ist es das Element, das sich am ehesten mit meiner Vorstellung von Fotografie vereinen lässt. Der Ozean ist die ideale Bühne, der perfekte fotografische Hintergrund, vor dem sich das menschliche Leben abspielt."

Edoardo Delille

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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"Mit dem Handy zu fotografieren, macht mich fast unsichtbar. Nach und nach habe ich so gewagt, Menschen zu fotografieren. Ich habe eine Art zwanghaften Voyeurismus entwickelt (...). Gleichzeitig habe ich versucht, mit dem Smartphone Augenblicke aus dem Leben in der Stadt mit nach Hause zu nehmen. Mailand ist mein Rahmen, seine Kälte, seine Weitläufigkeit wirken auf mich - der ich aus einer kleinen Provinz komme - berauschend."

Ray Banhoff

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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"Mit einem Smartphone kann jeder zum Erzähler werden. 'iDyssey' ist ein multimediales Fotoprojekt, das die beiden Extreme unserer Kultur miteinander verbinden soll: Vergangenheit und Gegenwart. Auf diese Weise wird das älteste kulturelle Erbe mit dem modernsten Medium überhaupt aufgenommen und neu erzählt."

Stefano De Luigi

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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"Architektur und Landschaft, Licht und Wasser - diese Faktoren habe ich in meinen Aufnahmen immer wieder variiert, je nach den Möglichkeiten, die das Handy einfach und schnell bietet."

Cosmo Laera

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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"Mit dem iPhone, das ich immer bei mir habe, kommunizierte ich während eines Krankenhaus-Aufenthalts mit der Außenwelt. Personen konnte ich nicht fotografieren, also habe ich mich auf Gegenstände und Oberflächen im Krankenhaus konzentriert. (...) Die Bilder habe ich über Facebook mit meinen Freunden geteilt, wie ich es auch mache, wenn ich auf Reisen bin. Diese Bilder aber erzählen von einer Entdeckungsreise zu mir selbst."

Martino Marangoni

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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"Ein Geistesblitz-Projekt, bei dem zwischen Idee und Verwirklichung kaum mehr als eine Stunde lag. (...) Auf einer nächtlichen Galerietour durch New Yorks Chelsea-Viertel fiel uns irgendwann das einzig wahre Interessante des Abends auf: die Personen. Sie schienen alle von einem Casting zwei Häuserblocks weiter zu kommen. Perfekt, diese Unbekannten."

Silvia Tenenti e Italo Perna

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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"Das Projekt soll den Vorhang vor Haiti, der nach dem Erdbeben 2010 voreilig zugezogen wurde, wieder öffnen und die Aufmerksamkeit auf das Schicksal der Bevölkerung lenken. (...) Die Zustände auf der Insel sind immer noch kritisch. Offiziellen Zahlen zufolge haben 600 000 Haitianer keine ausreichende Lebensmittelversorgung und jedes Jahr infizieren sich mehr als 50 000 mit Cholera."

Riccardo Venturi

Phone Photography

Quelle: Centro Italiano della Fotografia d'Autore

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"Jedes Mal, wenn ich in einer Stadt ankomme - egal, ob ich sie schon kenne oder nicht - nehme ich mir eine Auszeit, um ziellos und ohne festes Programm herumzulaufen. (...) Die Aufnahmen sind die einzige Spur der verlorenen Zeit, während der ich hinter Licht und Schatten herlief. Hier war ich in Beirut unterwegs, statt früher die Leica hatte ich nun das Handy in der Hand."

Paolo Verzone

© SZ.de/kaeb/ebri/jobr

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