Ausstellung Keiner ist eine Insel

Dachhasen und andere Wesen in der Lothringer 13

Von Evelyn Vogel

Was für ein seltsamer Titel und was für eine seltsame Ausstellung. Obwohl die Städte Kyoto und München ähnlich viele Einwohner haben, liegen doch Welten zwischen beiden. Nicht nur geografisch. Auch kulturell. Und dann auch ganz persönlich zwischen den beiden Künstlern, die in der Ausstellung unter dem Titel "Die Insel der Dachhasen" in der städtischen Ausstellungshalle Lothringer 13 zusammentreffen: Tomoya Kato aus Kyoto und Martin Fengel aus München. Das Ganze geht zurück auf eine Idee von Kurator Jörg Koopmann, der selbst einmal ein Stipendium in Kyoto hatte und Kato dort kennenlernte. Dass er diesen japanischen Zeichner mit der überbordenden Fantasie mit dem vor allem als nüchtern-dokumentarisch arbeitenden Fotografen Fengel zusammenbrachte, zeugt von seiner Risikobereitschaft. Das Resultat ist mitunter anregend, absurd und amüsant - wenngleich nicht immer schlüssig.

Filigrane Zeichnungen von Tomoya Kato.

(Foto: Lothringer 13)

Dabei haben sich beide Künstler Mühe gegeben, kulturelle Eindrücke des jeweils anderen Landes künstlerisch umzusetzen und dennoch ihrer Ausdruckssprache treu zu bleiben. So fotografierte Fengel seinen naturwissenschaftlichen Interessensgebieten verbunden Dinge wie Globen oder gezüchtete Rosen. Dachhasen - vulgo Katzen - übrigens weniger. Aber auch Fantasiefiguren japanischer Bildwelten oder typisch Elemente aus dem mystifizierten Alltag Japans stießen auf sein Interesse. In der Umsetzung blieb er dann allerdings nur zum Teil bei der für ihn so typischen kühl-wissenschaftlichen fotografischen Ausdrucksform, wie bei der Rosen- und Globen-Serie. Darüber hinaus ließ er sich von einem spielerischen Impuls leiten und setzte Fotoelemente in Cut-Outs um, die er zum Teil an die Wände klebte, zum Teil als überdimensionale Mobiles in der Halle installiert hat. So glotzen einen manchmal die mangaartigen japanischen Gesichter frontal an, dann wieder streifen sie den Betrachter flüchtig und geben den Blick frei auf den miniaturartigen Kosmos des Japaners.

Dokumentarische Fotografien von Martin Fengel.

(Foto: Fengel/Lothringer 13)

Denn gerade die Mobiles Fengels schaffen Raum für die zartfarbenen, filigranen Zeichnungen, die Kato über die ganze Halle verstreut hat. Dabei hat er fast wandfüllende Panoramen wie das vom Münchner Fischbrunnen inspirierte Wandbild geschaffen; hat gezeichnete Blätter in den verschiedensten Formaten gerahmt und hinter Glas aufgehängt; hat seinen ganzen figurativen Kosmos über die Wände ausgebreitet: kleine Wandzeichnungen, Figürchen, nur nagelgroße gezeichneten Bildchen. Fabel- und Fantasiewesen oft, mitunter auch katzenhafte.

Als Kato das erste Mal die Halle der Lothringer 13 sah, soll er erschrocken sein angesichts der Größe. Japanische Galerien scheinen winzige Kammern zu sein. Gemeistert hat er die Weite aber sehr souverän. Liegt vielleicht daran, dass Kyoto trotz ähnlicher Einwohnerzahl fast dreimal so groß ist wie München.

Martin Fengel/Tomoya Kato: Die Insel der Dachhasen, Lothringer 13-Halle, Lothringer Straße 13, bis 16. September, Di. bis So., 11-20 Uhr; Filmprogramm zur Ausstellung: Werkstattkino, Fraunhoferstr. 9, 22. bis 29. August, www.werkstattkino.de