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Ausstellung:Kein Raum für Machos

Jana Euler

Jana Eulers Werk "GWF 5" (2019) aus der Serie "Great White Fear" im Museum Brandhorst.

(Foto: Diana Pfammatter/Courtesy of the artist and Galerie Neu)

Das Museum Brandhorst stellt in der Reihe "Spot On" Jana Euler, Thomas Eggerer und Josh Smith vor

Groß und kraftvoll ragt der Hai aus dem Wasser, das Maul aufgerissen, die Zähne gefletscht. Haltung und Gebaren sollen archaische Urängste auslösen. Doch irgendetwas stimmt nicht. Ist es der fast ängstlich scheinende Blick, der irritierend wirkt? Ist es die wild spritzende Gischt, die den Hai umspielt, als ob er aus einem Teller Spaghetti auftauchen würde? In jedem Fall fragt man sich alsbald: Wer bloß hat Angst vor diesem weißen Hai? Um wie im Kinderreim zu antworten: Niemand!

Jana Eulers Darstellung aus der Serie "Great White Fear" ist genau das Gegenteil eines großen weißen Raubtiers. Und das auch im übertragenen Sinne. Denn es geht der 38-jährigen gebürtigen Münchnerin, die in Brüssel lebt, nicht um Tiere, sondern um Menschen. Um die Angst des zweibeinigen Raubtiers vor Konkurrenten. Sie gibt das Alphamännchen, das sich phallisch aufplustert, um Dominanz zu zeigen, der Lächerlichkeit preis.

In der Debatte um Kunst als eine Domäne alter weißer Männern rückt das Museum Brandhorst in der aktuellen "Spot On"-Reihe damit zudem eine Künstlerin in den Mittelpunkt, die sehr ironisch mit Männlichkeitszuschreibungen in ihrem Metier spielt. Denn die großen, wilden Gesten - sie werden noch immer mehr den Künstlern als den Künstlerinnen zugetraut. Euler widerlegt diese Denkweise mit leichtem, transparentem Strich. Sie braucht kein Imponiergehabe, um sich künstlerisch zu behaupten.

Auch Thomas Eggerer, mit dem sich Euler den Ausstellungsraum teilt, nimmt sich eines Männlichkeitswahns an. Der Aggressivität in Eulers GWF-Serie stellt er mit "Waterworld" eine flaneurhafte Badeszene gegenüber. Doch statt eines strizzihaften Schönlings, der am Strand entlangstolziert, setzt der 1963 in München geborene Eggerer, der mittlerweile in New York lebt, gesichtslose Klone in die Wellen. Der dichte Farbauftrag, die Vervielfältigung der Figuration rauben der Szenerie jedwede Individualität.

Dritter Künstler bei "Spot On" ist der 44-jährige US-Amerikaner Josh Smith. Er bespielt einen eigenen Raum und zeigt nicht nur Gemälde und Collagen, sondern arrangiert installativ auch mit Farbe bearbeitete Hocker sowie Künstlerbücher, die von der Decke hängen. Auch Smith arbeitet repetitiv. Aber er nutzt eine Vielzahl an Maltechniken und Materialeinträgen, bricht seinen expressiven Strich auf vielfache Weise. Männliche Selbstbehauptung? Von wegen. Eher eine einzige große Selbstbefragung.

Spot On: Thomas Eggerer, Jana Euler und Josh Smith, Museum Brandhorst, Theresienstr. 35a, bis 19. April, Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr; Künstlergespräche: Thomas Eggerer, Di., 3. März, 19 Uhr, Jana Euler, 24. März, 19 Uhr

© SZ vom 25.01.2020
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