Ausstellung Hiob vor der Hinrichtungsmauer

Werke des Bildhauers Fritz Koenig in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Von Sabine Reithmaier, Flossenbürg

Besonders groß ist sie nicht, die Fritz-Koenig-Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Aber sie ist so sorgfältig kuratiert, dass sich in der ehemaligen Häftlingsküche zentrale Lebensthemen des Landshuter Bildhauers mühelos erschließen. Die Beschäftigung mit Liebe, Tod und Sterben bestimmte sein Empfinden lebenslang, davon zeugen Kreuze, Pietas und Epitaphe. Schon allein deshalb passt die Ausstellung gut an diesen Erinnerungsort.

Aber es gibt einen weiteren Bezug: Koenig bezog Granit aus dem Steinbruch Plattenberg, kaum 100 Meter vom KZ-Steinbruch entfernt. Der Künstler kam auch öfter zu Besuch - Fotos erzählen davon - , brachte seine Studenten mit. Aus einem hier entdeckten, zwölf Meter langen Granit-Monolythen schuf er den monumentalen "Klagebalken", der auf dem Münchner Olympiagelände an die Opfer des Terroranschlags von 1972 erinnert.

Koenig, Jahrgang 1924, wusste, was Krieg und Gefangenschaft bedeuten. 1942 hatte er sich, gerade 18 Jahre alt, freiwillig an die Ostfront gemeldet. In frühen Zeichnungen hält er Verwundete in Schützengräben fest, aber auch die Schönheit eines Sonnenblumenfelds. Oder einen jungen Toten, dessen Kopf ein anderer Mann mit beiden Händen umfasst. "Warum?" hat Koenig dazu geschrieben. In den Epitaphen, die ihn von den frühen Siebzigerjahren an faszinierten, wird ihm der Tod zur undurchdringlichen Wand. Vor der abschüssigen Ebene liegen Menschen, die Körper gebildet aus Kugeln und Rundstäben. Weniges genügt ihm, um viel auszudrücken, das anrührende "Epitaph für viele" (1983) zeugt davon. Die meisten der Denkmäler nennen keine Namen. Eine Ausnahme stellt die Widmung an Francesca da Rimini und Paolo Malatesta aus Dantes "Göttlicher Komödie" dar, die ihren Ehebruch mit dem Tod bezahlen, ein Liebespaar, das Koenig von 1958 an immer wieder zu Werkgruppen animierte.

Fritz Koenigs "Hiob III" (1991) klagt im Hof des ehemaligen Arrestgebäudes um die mehr als 1000 Menschen, die hier ermordet wurden.

(Foto: Peter Litvai, KZ-Gedenkstätte Flossenbürg)

Koenigs große Arbeiten sind mit Modellen sowie Fotos und Zeichnungen vertreten, darunter die Pietà aus der Gedächtniskirche in Berlin-Plötzensee (1962), das Mahnmal der Bundesrepublik auf dem Gelände des KZ Mauthausen (1982) oder das nicht realisierte Holocaust-Mahnmal für Berlin. Koenig hatte sich 1993 an dem Wettbewerb beteiligt und den dritten Preis erhalten. 2011 ließ er von Klaus Dörries seinen Entwurf visualisieren - entstanden ist ein beeindruckender Film.

Jörg Skriebeleit, Leiter der Gedenkstätte, der die Ausstellung schon zu Lebzeiten des Bildhauers geplant und gemeinsam mit Stephanje Weinmayr, der langjährigen Leiterin des Koenigschen Skulpturenmuseums, gestaltet hat, hatte sich noch manch anderes Werk dafür gewünscht. Vielleicht kommt nach dem Ende der aktuell laufenden Ausstellungen in Florenz und Landshut ja noch die eine oder andere Skulptur nach Flossenbürg. Eigentlich erstaunlich, dass ausgerechnet in dieser Gedenkstätte jetzt zum ersten Mal eine Koenig-Skulptur steht. Im ehemaligen Arresthof klagt der verzweifelte "Hiob III" direkt vor der Hinrichtungswand um alle diejenigen, die hier ermordet wurden.

Fritz Koenig.

(Foto: Peter Litvai, KZ-Gedenkstätte Flossenbürg)

Fritz Koenig - Zeichen der Erinnerung; bis 31.Mai 2019, KZ-Gedenkstätte Flossenbürg Fritz Koenig als Freund; Vortrag von Dieter Wieland, Mittwoch, 26. September, 19 Uhr, im Bildungszentrum der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg