Ausstellung Hamburgs Komponistenquartier

(Foto: Ulrich Perrey)

Mit den Ausstellungen über Gustav Mahler sowie Fanny und Felix Mendelssohn ist das Komponistenquartier in Hamburg nun fertiggestellt.

Von Michael Stallknecht

Ob sie sich manchmal nachts treffen, ganz still und heimlich? Und worüber sie dann wohl reden? Über die Finessen von Melodieführung und Kontrapunkt? Oder doch darüber, wie sich Hamburg so verändert hat im Lauf der Jahrhunderte? Dabei wohnen sie dort, wo Hamburg am Hamburgischsten aussieht: in sechs rekonstruierten Bürger- und Kaufmannshäusern mit historisierenden Backsteinfassenden unweit des Michel, des Hamburger Wahrzeichens schlechthin. Der erste in der Häuserzeile war Johannes Brahms, dem die Stadt hier schon 1971 ein eigenes Museum eingerichtet hat. Bis 2015 folgten die Barockkomponisten Georg Philipp Telemann, Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Adolph Hasse. In den vergangenen Wochen hat die Komponisten-WG nun noch einmal Zuwachs bekommen: Neue Ausstellungen widmen sich Gustav Mahler, der von 1891 bis 1897 Chefdirigent der Hamburger Oper war, sowie Felix und Fanny Mendelssohn, die als komponierende Geschwister lebenslang in engem Austausch standen. Ihr Geburtshaus war ebenso im Zweiten Weltkrieg zerstört worden wie das von Brahms. Damit ist das Komponistenquartier fertiggestellt, das sich prominenten Komponisten mit biografischem Bezug zu Hamburg widmet, finanziell getragen von bürgergesellschaftlichem Engagement und gemeinsam gestaltet von den ortsansässigen Komponistengesellschaften. Der Schwerpunkt der eher knappen Ausstellungen liegt denn auch auf dem Teil der jeweiligen Lebensgeschichte, der am engsten mit Hamburg verknüpft ist. Karten zeigen die Wirkungsorte der Musiker in der Stadt, an Audiostationen kann man in Hamburg entstandene Werke hören wie die "Kapitänsmusiken" für das jährliche Festmahl der Offiziere (Capitaine) des Bürgermilitärs, die sowohl Telemann als auch Carl Philipp Emanuel Bach, der "Hamburger Bach", schrieben. Das Schönste an der neuen Wohngemeinschaft ist, dass die Ausstellungen in der Häuserzeile ohne Türen ineinander übergehen. Nur Brahms hat als ältester Mitbewohner noch immer einen eigenen Eingang. Beim Durchgang wird Musikgeschichte damit auch als Stadtgeschichte erfahrbar und umgekehrt. Zumindest im Komponistenquartier präsentiert sich Hamburg nun wieder als die Stadt, wo, wie Telemann einmal meinte, "die Music gleichsam ihr Vaterland zu haben scheinet".