Ausstellung Es ist angerichtet

Kein Edward mit den Scherenhänden, sondern „The Gift“ von The Scissorhands.

(Foto: Kunstverein München)

Der Kunstverein am Hofgarten lädt zu den "Jahresgaben" mit zeitgenössischen Werken aus München und Umgebung

Von Evelyn Vogel

Ein musikalischer Trip von Nigeria über die Schweiz, Italien, Portugal nach Irland, von Mexiko über Belgien, England und Frankreich nach Brasilien oder von Kanada über Indonesien, Libanon, China nach Burundi, Russland und in die Ukraine gefällig? Wer Lust auf eine solche Weltreise hat, sollte in den kommenden zehn Tagen mal auf der Webseite des Kunstvereins oder der von Radio 80 000 vorbeischauen. Oder noch besser: in den Münchner Kunstverein am Hofgarten gehen. Denn dort haben sich die Kunstvereinsmacher wieder etwas Besonderes einfallen lassen, um die traditionelle Jahresgaben-Ausstellung aufzupimpen.

Nachdem der Kunstverein während der Jahresgaben im vergangenen Jahr zum Dub- und Reggae-Club mutierte, zieht in diesem Jahr ein Hörfunkstudio ins Foyer ein: Radio 80 000, ein im April 2015 von Felix Flemmer und Leonard Bauer in München gegründetes nicht kommerzielles Online-Radio. Vergangenes Jahr sendeten die beiden Mitte zwanzig Jahre alten Radio-Freaks aus einem der temporär bespielten Schiffscontainer im Werksviertel am Ostbahnhof. Nun werden sie vom Kunstverein aus täglich von 10 bis 22 Uhr Musik und Wortbeiträge der unterschiedlichsten Radioprogramme senden. Wann welcher Sender online zugeschaltet wird, steht dabei ganz analog auf dem Spielplan im Schaufenster zum Hofgarten.

Doch die Kunst wird in den nächsten zehn Tagen im Mittelpunkt stehen. Kunst, die ausschließlich Mitgliedern - wer noch keines ist, kann ganz unbürokratisch und schnell eines werden - zu sehr günstigen Preisen (los geht es bei 500 Euro) angeboten wird. Kunst, durch deren Verkauf die Künstler selbst unterstützt werden, denn sie erhalten die Hälfte des Erlöses, während die andere Hälfte in das künstlerische Programm des Vereins sowie an die Künstlersozialkasse fließt. Im Aufgang sind Editionen und Archivarbeiten aus der Kunstsammlung von Martina Fuchs zu sehen. Im Kino gibt es täglich Screenings und Videoarbeiten.

Den Hauptraum im ersten Stock aber beherrscht die große Szenografie von Ivo Rick, eine lang gestreckte Rampe, auf der Arbeiten anderer Künstler präsentiert werden. Mehr als 80 haben in diesem Jahr Werke eingereicht, darunter sind wie immer bekannte Namen wie Benjamin Bergmann, Ayzit Bostan, Martin Fengel, Michaela Melián, Olaf Nicolai und Florian Süssmayr, um nur ein paar zu nennen. Die Liste liest sich wie ein Who is Who der Münchner Künstlerszene. Doch wie immer sind die Einreichungen ganz demokratisch alphabetisch angeordnet. So hängen Arbeiten von Akademiestudenten und jungen Absolventen neben denen von arrivierten Künstlern. Aber es gibt wie immer auch einige Entdeckungen zu machen. Zu diesen zählen beispielsweise die Skulpturen von Mari Iwamoto, bei denen man sich an die Arbeiten von Wolfgang Laib erinnert fühlt; die malerisch anmutenden, irritierenden Fotos von Lisa Oppenheim; die mit kunstgeschichtlichen Zitaten spielenden Collagen von The Scissorhands, die Objekte von Claudia Barcheri oder auch die Papierarbeiten von Mitja Konic. Und wem das alles zu viel Münchner Kunst ist, kann immer noch im Foyer eine Weltreise machen.

Jahresgaben, Kunstverein, Galeriestr. 4, bis 16. Dez., täglich 12-18 Uhr, Programm von Radio 80 000 auf kunstverein-muenchen.de und radio80k.de täglich 10-22 Uhr; "meine drei lyrischen ich" aus der Reihe Lyrik und Kunst: Fr., 14. Dez., 20 Uhr