Ausstellung "De l'Allemagne" in Paris Pathos und Entspanntheit

Ein Besucher der Ausstellung "De l'Allemagne" fotografiert in dem Raum, in dem das Gemälde "Der Watzmann" von Caspar David Friedrich ausgestellt ist.

(Foto: dpa)

Es ist der Pariser Schau hoch anzurechnen, dass sie keine direkten Linien von der Romantik zum Nationalsozialismus zieht und überhaupt auf die schematischen Einteilungen von Klassizismus, Romantik, Realismus, Expressionismus verzichtet. Unter dem aufgespannten Zeitbogen kommt aber jene Alltagskontinuität zu kurz, die von Spitzweg bis zu Max Liebermann auch zu Deutschland gehört und im Schlusssaal der Ausstellung mit einigen Fotoporträts von August Sander nicht ausreichend vertreten ist.

Was mit zwei Filmauszügen in diesem letzten Saal vorzüglich gelingt, indem das Pathos von Leni Riefenstahls "Olympia" (1936) mit der Entspanntheit der Badegäste am Wannsee in Robert Siodmaks und Edgar G. Ulmers Film "Menschen am Sonntag" (1930) aufgewogen wird, gerät durch die Bilderauswahl am Ende der Ausstellung in Schieflage.

Dazu tragen nicht zuletzt auch die zehn großformatigen Holzschnitte auf Leinwand "De l'Allemagne" von Anselm Kiefer bei, die, speziell zu diesem Anlass entstanden, mit Inschriften wie Heine, Marx, Stefan George, Flosshilde, Wellgunde, Woglinde, Heidegger, Melancolia, der Rhein, Atlantikwall, Maginot in der Eingangsrotunde des Hall Napoléon massive Assoziationspflöcke in den Erwartungshorizont der Besucher schlagen, als bestünde dieser aus mythologischem Sand.

Dass am selben Tag, ebenfalls in Anwesenheit von Staatsminister Neumann, im Musée de l'Armée am Invalidendom eine abgeänderte Fassung der Napoleon-Ausstellung "Traum und Trauma" aus der Bundeskunsthalle in Bonn von vor zwei Jahren eröffnet wurde, setzt einen interessanten Gegenakzent zum Louvre-Programm.

Zum ersten Mal sei er zusammen mit einem Verteidigungsminister zu einem solchen Festakt angetreten, bemerkte Neumann belustigt. Der Weg von der Kultur- zur Kriegsführernation ist dem französischen Kollektivgedächtnis über Jahrzehnte hin schon auf der Schulbank eingetrimmt worden.

Der Rückweg ist etwas schwerer zu finden. Die Louvre-Ausstellung hilft dabei vor allem in ihrem ersten Teil. Die Qualität der Exponate und die Vielfalt der Einzelaspekte wirkt überzeugender als der etwas vordergründige Thesenstrang vom dionysischen Freudenfest der Spätromantik zur politischen Leidensgeschichte der Zwischenkriegszeit.

De l'Allemagne, 1800-1939. Von Friedrich bis Beckmann. Musée du Louvre, Paris. Bis 24. Juni. Katalog (Verlag Hazan): 45 Euro.