In der Ausstellung wird das Bild als Inszenierung, als Propagandamittel, als Waffe gezeigt. Es geht um Kamerawinkel, Bildausschnitte, Perspektivenwechsel und natürlich immer um das Medium, das die Fotos verbreitet.

Ohne es zu wollen, ohne es zu wissen, hat Jürgen Henschel am Abend des 2. Juni 1967 die ikonische Pietà nachgestellt, nur ist es nicht Maria, die ihren toten Sohn, sondern eine hilflose Studentin, die den sterbenden Benno Ohnesorg im Arm hält. Henschel hatte diesen klassischen Topos der Kunstgeschichte bereits im Kopf, ehe er ihn tatsächlich fotografiert. Auch wenn seit dem vergangenen Jahr bekannt ist, dass der Westberliner Polizist, der Ohnesorg umbrachte, auch noch als IM für die Ostberliner Staatssicherheit wirkte, bleibt das religiöse Andachtsbild der ermordeten Unschuld.

25. Mai 2010, 14:192010-05-25 14:19:27 © sueddeutsche.de/nvm/kar