Ausstellung Abschied vom Meister

Mit der Acryl-Arbeit "Muybridge" schlug Jakob Gilg einen Bogen über Jean-Marc Bustamante bis hin zum Fotopionier Eadweard Muybridge.

(Foto: BBK)

Die Bustamante-Studierenden stellen in der Galerie der Künstler aus

Von Karen Bauer

"Non", sagt Jean-Marc Bustamante immer dann, wenn ihm ein Kunstwerk seiner Studierenden nicht gefällt. Wenn ihm die Komposition zu kompliziert, das Bild an Inhalt und Symbolik überladen zu sein scheint. Ruhig und freundlich im Ton, aber: "non" - einfach nein. Seit 2010 war der französische Fotograf und Künstler Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München, leitete die Klasse für "Malerei und Grafik". Nun verabschiedet ihn seine Münchner Familie aus Studierenden, Mitarbeitern, Bekannten und Freunden mit einer Ausstellung in der Galerie der Künstler.

Am Abend der Vernissage schreitet Bustamante, dunkelblauer Anzug, kinnlanges gepflegtes graues Haar, durch die Galerie und plaudert mit Studierenden und Kollegen. Niemand, der nicht vom Meister schwärmt: von seinem scharfen Blick, seiner Eleganz, seiner Sensibilität. Dabei lebte Bustamante während seiner Professur vor allem in Paris, kam nur für eine Woche pro Monat nach München. Dann aber nahm er sich Zeit für seine Studierenden, ließ sich duzen, gab Impulse, ermutigte sie. Unterrichtssprache war Englisch, das verlieh der Klasse internationales Flair.

Das Ergebnis ist nun in der Ausstellung "Finir en Beauté" zu sehen. Als "glanzvollen, krönenden Abschluss" könnte man den Titel übersetzen. Überall wird die Verbindung zwischen Studierenden und ihrem Vorbild, Lehrer und Meister deutlich: Gleich, ob sie sich an Bustamantes großformatigen Fotografien, den "Tableaux", anlehnen, wie Sebastian Gumpinger mit seinen Öl-Acryl-Blattgold-Gemälden im überraschend fotorealistischen Look, oder ob sie eine künstlerische Gegenposition beziehen, wie Raphael Weilguni und Viola Relle mit ihren archaisch anmutenden Keramik-Skulpturen.

Bei genauem Hinsehen wird deutlich: Die Grenzen der Disziplinen "Malerei und Grafik" haben sie ausgelotet. Von figürlich-naiver, dennoch zeitgenössischer Malerei bis hin zur abstrakten Farbmalerei von Alina Birkner in angesagten Neonfarben, wobei Birkners Gemälden der Spagat gelingt, anziehend zu sein, ohne allzu gefällig zu werden. Andere Arbeiten sprengen den Rahmen: Bei Georg Schatz tritt die Farbe dreidimensional hervor. Der Künstler spritzt Bauschaum-Krakel und veredelt sie mit Gold-Lack. Und Francois Huber performt, tunkt seinen Zeigefinger bei der Vernissage in Rotweinglibber und schreibt live und mantraartig auf am Boden liegende Spiegelfließen: "Now I know". Ganz so, als müsste er sich selbst versichern, von seinem Meister genug gelernt zu haben.

Pernilla Henrikson hat ihre überdimensionale Skulptur direkt in der Galerie produziert, hat Papierfasern mit Kleister vermengt und mit einer Luftdruckpistole eine überdimensionale Scheibe auf Textilbahnen gesprüht. Nach dem Trocknen hat sie den Stoff gelöst, nun zeichnet sich der Faltenwurf ab, und die Farbe des Stoffs hat auf das Papier abgefärbt: Zart rosa und grau schimmert die Ufo-ähnliche Skulptur. So ist es vor allem der Schaffensprozess, der an Henriksons Arbeit fasziniert.

Für Jean-Marc Bustamante ist der Abschied von München zugleich auch ein Neuanfang. Seit Sommer vergangenen Jahres leitet er die berühmte École des Beaux Arts in Paris, die bedeutendste Kunsthochschule Frankreichs. Dort lehrt er schon seit 20 Jahren Multimedia-Kunst.

36 Positionen versammelt "Finir en Beauté", etwa 50 Werke von beeindruckender Präsenz und einnehmender Ästhetik. Drei seiner Schüler - Ivan Baschang, Annabelle Mehraein und Georg Schatz - haben die Ausstellung kuratiert: Werke, die wohl auch Bustamante mit einem charmanten "oui" abgesegnet hätte.

Finir en Beauté, Galerie der Künstler, Maximilianstr. 42, Mi-So 11-18 Uhr, Do bis 20 Uhr, bis 23. Juni