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Augsburg:Drei Soldatenleben

Staatstheater Augsburg Schwejk

Schwejk (Andrej Kaminsky), ein Nationalheld der Tschechen.

(Foto: Jan-Pieter Fuhr)

"Švejk/Schwejk" beim Brechtfest in Augsburg, das diesen Freitag beginnt

Armin Petras fürchtet sich nicht vor großen Themen wie Liebe, Hoffnung, Krieg. Der Regisseur und Autor hat im Gegenteil Freude daran, diese beherzt zu verquicken. In seinen Texten und Inszenierungen spannt er gern den ganz großen Bogen, streift Jahrhunderte, lässt gigantischen Raum für Deutung. Genauso gern bedient er sich an bereits vorhandenem Material, dreht es durch den Fleischwolf seiner Regie und fügt Neues hinzu. Der Auftrag, fürs Brechtfestival in Augsburg, das an diesem Freitag beginnt, zu inszenieren, kam ihm da ganz gelegen. So entsteht gerade "Švejk/Schwejk", das am 21. Februar im Martini-Park uraufgeführt wird. Es ist eine Koproduktion des Staatstheaters Augsburg mit den Städtischen Bühnen Prag.

Und auch hier kommen wieder jede Menge Personal, Stoffe und Jahrzehnte zu einem großen Gefüge zusammen, die es erst einmal aufzudröseln gilt. Die ganze Idee basiert auf dem Roman "Der brave Soldat Schwejk", ein Werk des tschechischen Autors Jaroslav Hašek, das zwischen 1920 und 1923 entstand. "Schwejk" ist Soldat in Zeiten des Ersten Weltkriegs, der mit allerlei List dem Kriegseinsatz entkommen will. Das Buch ist ein satirischer Schelmenroman und Schwejk für die Tschechen so etwas wie der literarische Nationalheld.

"Jaroslav Hašek war mir ein praktisch Unbekannter", sagt Armin Petras, "und mir war nicht klar, welche Rolle sein Schwejk in Tschechien spielt." Darauf wies ihn erst die tschechische Autorin Petra Hůlová hin, mit der er vergangenes Jahr am Staatstheater Nürnberg arbeitet. "Hašek ist ein toller Autor, ein Anarchist, er hat eine verrückte Biografie, ist selbst desertiert und landete in sowjetischer Gefangenschaft." Mit Autorin Hůlová wollte Petras überlegen, wie oder wer denn ein Schwejk heute sein könnte, also ein gewitzter Mensch, der dem Unbill der politischen Weltlage zumindest mit Humor begegnen kann. Hůlová verfasste einen Text, in dem ein sogenanntes "Schwejk-Casting" stattfindet, sagt Petras, "damit gibt sie die Frage an eine Art Jury weiter".

Dann kam Staatstheater-Intendant André Bücker um die Ecke und bat Petras, fürs Brechtfestival einen Brecht zu inszenieren. Denn das Staatstheater steuert traditionell eine neue Inszenierung bei. Petras fand die Idee gut, auch das Brechtfestival interessierte ihn, der eigentlich in Berlin lebt. Er sagt, ihn interessieren regionale Unterschiede, auch am Theater.

Ein Brecht in Augsburg ist nun mal anders zu verstehen als in Berlin. Praktischerweise hat Brecht selbst über den Soldaten Schwejk geschrieben, und zwar "Schweyk im Zweiten Weltkrieg." Ein Stück aus dem Jahr 1943 das, gelinde gesagt, eher als misslungen gilt. Brecht, damals im Exil, nahm sich den Original-Schwejk und änderte das Setting in eine Zweiter-Weltkrieg-Kulisse. "Brecht ist ein toller Theoretiker", sagt Petras, "aber mit seinen Stücken hatte ich oft Schwierigkeiten, weil mir ihre Konstruktion so direkt in die Augen sticht, die These, die er zu beweisen sucht." Das nicht sonderlich erfolgreiche Schwejk-Stück dann herzunehmen, hielt Petras aber doch für eine gute Idee. Nicht, um das den Autor vorzuführen, sondern um zu zeigen "wie ein Künstler mit tollem Material wie dem Schwejk dennoch in die Situation kommen kann, dass das auf der Bühne nicht funktioniert."

Entstanden ist nun ein dreiteiliger Abend mit Texten von Brecht, Hašek und schließlich dem neuen Text von Petra Hůlova. "Švejk/ Schwejk" wurde abwechselnd in Augsburg und in Prag geprobt, das künstlerische Team ist aus dem beider Theater zusammengesetzt und fuhr hin und her. Für Regisseur Petras ist das nicht nur der Sprache wegen abenteuerlich, er hat auch die Aufgabe, zwei sehr unterschiedliche Wissenstände zu jeweils Brecht und Hašek in seiner Inszenierung zu vereinen. Dass das klappen kann, darin ist er zuversichtlich: "Ich komme ja aus der DDR, der Begriff Völkerfreundschaft ist mir sehr geläufig."

Švejk/Schwejk, Uraufführung Freitag, 21. Februar im Rahmen des Brechtfestivals Augsburg, Freitag, 14. Februar bis Sonntag, 23. Februar

© SZ vom 14.02.2020
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