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Aufruf gegen Boris Johnson:Ein Anarchist geht zur Wahl

Höchste Zeit: Der britische Comic-Künstler Alan Moore entdeckt die Politik.

Von Alexander Menden

Der britische Comic-Autor Alan Moore wird am 12. Dezember zum ersten Mal seit 40 Jahren an einer Unterhauswahl teilnehmen, um zum Ende der Regierung von Premier Boris Johnson beizutragen. Dies gab der Schöpfer wegweisender Werke wie "From Hell", "Watchmen" und "The League of Extraordinary Gentlemen" in einer Erklärung bekannt, die seine Töchter über Twitter verbreiteten. Er habe als überzeugter Anarchist bisher nur einmal gewählt, so Moore, aber manche Regierungen seien "so unglaublich böswillig und katastrophal, dass man sie mit allen verfügbaren Mitteln energisch bekämpfen" müsse. Es sei an der Zeit aufzuhören, die "unersättliche konservative Agenda - auch passiv - zu unterstützen, bevor sie uns verschlingt, und unsere Kinder als Nachtisch".

Vorgehen gegen das "herzlose Zertrampeln der Sicherheit, Würde und Träume aller"

Obwohl er hauptsächlich gegen die Tories und nicht für Labour stimme, schreibt Moore weiter, halte er die Ziele der Labour-Opposition unter Jeremy Corbyn, der unter anderem die Wiederverstaatlichung des Schienenverkehrs fordert, für "die ermutigendsten Vorschläge, die ich je von einer großen britischen Partei vernommen habe". Moore hat bisher stets vermieden, sich parteipolitisch zu äußern. Allerdings sagte er bereits vor der Wahl 2017, die wirtschaftliche und politische Agenda des Westens führe "zu einer zerstörten Umwelt und zu internationalen Sparmaßnahmen, während die Milliardäre des Planeten danach trachten, Billionäre zu werden". Der 66-Jährige, als Sohn einer Druckerin und eines Brauers in einer Arbeitersiedlung der Industriestadt Northampton aufgewachsen, wurde in den Achtzigern unter anderem durch die Graphic Novel "V wie Vendetta" berühmt. Deren Protagonist V, der einen faschistischen Staat bekämpft, trägt eine Guy-Fawkes-Maske. Sie ist zum Erkennungszeichen von Aktivisten und Protestbewegungen weltweit geworden.

Nun bittet Moore alle, "denen meine Arbeit über die Jahre etwas bedeutet hat und die die gegenwärtige Entwicklung um alles bangen lässt, was sie wertschätzen", wählen zu gehen. Dies sei die Gelegenheit, gegen das "herzlose Zertrampeln der Sicherheit, Würde und Träume aller" vorzugehen. Dies sei die einzige Möglichkeit, seiner Stimme Gehör zu verschaffen. "Die Welt, die wir lieben, zählt auf uns", ließ Alan Moore mitteilen.

© SZ vom 22.11.2019
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