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Attacke gegen CNN:Donald Trump ist auf der Zielgeraden zur eigenen Comic-Figur

Republican U.S. presidential candidate Donald Trump showing off a painting a supporter gave him at a campaign rally held at the University of Central Florida in Orlando

Donald Trump: Vom Populismus zum Populismus.

(Foto: REUTERS)

Der US-Präsident postet ein retuschiertes Wrestling-Video, in dem er auf die Medien einprügelt. Das zeigt: Trump ersetzt immer mehr Realität durch Pop-Kultur.

Jetzt also tatsächlich ein Gewaltexzess - buchstäblich, wenn auch gespielt. Ausholen und reindreschen in die Fresse. Lügenfresse quasi. Über das Gesicht desjenigen, auf den Donald Trump da einschlägt, ist schließlich das Logo des Fernsehsenders CNN geblendet. Einer der vielen Erzfeinde Trumps. Einer der Sender, denen er Fake-News und gezielte Hetze gegen sich vorwirft. Noch mal ausholen also und: "Bämm!" Vielleicht auch: "Zack!" Oder: "Paff"?

Wenn Gewalt aufgrund von Lächerlichkeit ins Groteske kippt, rechnet das Gehirn ihr schließlich schnell mal Comic-Geräusche hinzu. Und so ein Cartoon hat ja viele Möglichkeiten, um Schläge lautzumalen. Ein "Waaamm!" zum Beispiel auch noch, oder ein "Boooom!" - alles angenehmer als das echte Geräusch, das es macht, wenn Fäuste in Gesichter klatschen. Wenn Jochbeine brechen und Nasen beim fünften, sechsten, siebten Hieb langsam breiig werden. Es lässt sich also geschmeidig noch ein bisschen zusehen und "Zonk!" denken, wie Trump weiterdrischt. Kurze Ausholbewegungen, noch mal und noch mal und noch mal, wie ein blindwütig-zappeliger Prügel-Popanz.

Clothesline heißt die Wrestling-Technik übrigens, mit der Trump seinen Gegner vorher umgehauen hat.

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Und Trump, es lohnt sich ja doch immer mal wieder, das zu betonen, ist der Präsident der USA. Oder zumindest das, was er vom Amt und dessen - nun, nennen wir es noch eine Weile Würde - vorerst noch übrig lässt. Denn Trump ist womöglich gerade auch auf die Zielgerade zu seiner eigenen Comicfigur eingebogen. Das sind keine guten Nachrichten.

Ein Vergleich mit der deutschen Politik? Gibt es leider nicht

Wobei man ja schon froh ist, dass immerhin das Original des Videos älter ist. Es stammt aus einer vorpräsidentiellen Zeit, in der der Unternehmer Trump noch aus Privatvergnügen (also Marketingzwecken) bei Wrestling-Kämpfen auftrat. Hier: Wrestlemania 23, sein "Battle of the Billionaires" gegen Vince McMahon, Vorsitzender der WWE - dem Medienunternehmen, das die Shows veranstaltet. Offenbar hatte ein Trump-Fan, der für aggressive und zuweilen rassistische Fotomontagen bekannt ist, den Clip bearbeitet und ihn dann auf der Internetseite Reddit veröffentlicht. Trump hat das Ergebnis erst über seinen privaten Twitter-Acount gepostet - und diesen Tweet dann über den offiziellen POTUS-Kanal geteilt.

Ein Präsident, der selbst postet, wie er mit weißglühendem Zorn auf die sehr demokratische Institution Presse eindrischt. Ein Vergleich mit deutschen Politikern würde sicher helfen, die Dimension dessen zu illustrieren. Aber es gibt keinen. Angela Merkel ist nicht bei Twitter. Und Frank-Walter Steinmeier tritt nicht bei Wrestling-Kämpfen an.

Trump schon, und das fühlt sich irrsinnig stimmig an - und besorgniserregend. Wrestling-Kämpfe sind schließlich Schauprügeleien, bei denen mit maximaler Künstlichkeit größtmögliche Brutalität simuliert wird. Jeder weiß um die Inszenierung, das macht das Treiben so amüsant abstrakt. Es sind Figuren, nicht Menschen, die einander da schlagen und würgen und treten und tackeln. Wrestling ist reiner Pop-Firlefanz. Die absolute Entkopplung von der Realität. Politik ist das eher nicht. Noch.

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Denn Tendenzen dazu hat sie natürlich. Es gibt, grob gerastert, schließlich ziemlich genau zwei Narrative zur Politik: der politische, ökonomische, gesellschaftliche oder sogar systemische Diskurs - und die Mythologie. Im ersten Narrativ existieren Informationen und Tatsachen, Ursachen münden in Wirkungen und weil man sich eine Rationalität teilt, sich also auf bestimmte verbriefte Wahrheiten und Ideale geeinigt hat, lässt sich die Welt mit diesen Werkzeugen manchmal erklären. Und manchmal vielleicht sogar gestalten.