Attacke auf Konzert im Bataclan:Wer sind die "Eagles of Death Metal"?

Attacke auf Konzert im Bataclan: Archivbild von einem Auftritt in Los Angeles im Oktober

Archivbild von einem Auftritt in Los Angeles im Oktober

(Foto: Kevin Winter/Getty)

Mitten im Konzert eröffnen die Attentäter das Feuer. Ein Crew-Mitglied und Dutzende Fans sterben.

Von Karin Janker, New York

Vielleicht war es Zufall. Vielleicht haben die Terroristen das Konzert der "Eagles of Death Metal" nur deshalb zum Ziel ihres Angriffs gewählt, weil es am Tag des Länderspiels zwischen Deutschland und Frankreich stattfand. Womöglich richtete sich die Attacke aber auch bewusst gegen die Band und ihre Fans. Immerhin heißt es in dem Bekennerschreiben des Islamischen Staats, dass das Bataclan deshalb angegriffen worden sei, weil dort "Götzendiener eine perverse Party" gefeiert hätten.

Die "Eagles of Death Metal" sind eine kalifornische Rockband, gegründet 1998 von Sänger und Gitarrist Jesse Hughes und Josh Homme, dem Frontmann der "Queens of the Stone Age". Der Rest der Besetzung wechselt. Trotz des Namens ist ihr Genre nicht der Death Metal, sondern vielmehr das Spiel mit Stereotypen. Ihr ruppig-rauer Garagenrock zitiert Klischees von Sex und Rock'n'Roll so überzeugend, dass man Hughes sowohl die Redneck-Rotzigkeit als auch die schwule Leder-Schnauzbärtigkeit abnimmt. Die Cover der bisher erschienen vier Alben sind überladen mit Sex und Laszivität, es sind Persiflagen des Rock-Lifestyles.

Sänger ist Trump-Fan mit sexistischem Frauenbild

Alles an Hughes' Attitüde ist irgendwie ironisch. Sein tuntiges Auftreten, sein ultimativ sexistisches Frauenbild, seine totale Hingabe an die Rockmusik. Und doch geht die Ironie nie so weit, dass sie kritisch würde. Die "Eagles of Death Metal" sind eigentlich keine politische Band, aber Sänger Hughes steht zu seiner Sympathie für die Republikaner. Im Oktober schwärmte der Waffennarr in einem Interview von seinem Helden George W. Bush ("my kind of motherfucker") und von Donald Trump . Das meint er ernst, vermutlich.

Als ordentlicher Republikaner unterstützt Hughes auch Israel vorbehaltlos und prahlte im Sommer auf einem Konzert in Jerusalem damit, dass er nicht einem Boykottaufruf anderer Musiker gegen Israels Politik folgte. Er habe sich nie in seinem Leben so zu Hause gefühlt, rief er dort ins Publikum.

Der deutsche Konzertveranstalter der Band, Marek Lieberberg, hält es nach den Anschlägen von Paris für möglich, dass die "Eagles of Death Metal" wegen dieser Sympathie Ziel der Terroristen geworden seien. Allerdings ist diese Vermutung spekulativ, konkrete Hinweise darauf gibt es bislang nicht.

Ihr Konzert im "Bataclan" im Rahmen einer Europatournee war ausverkauft. Mehr als 1000 Menschen befanden sich im Saal, als drei bewaffnete Personen am Freitagabend um 21.40 Uhr in das Gebäude eindrangen und in die Menge schossen. Die Polizei stürmte das Bataclan gegen 00.20 Uhr. In dieser Nacht wurden dort 89 Menschen getötet.

Laut Augenzeugen ereignete sich der Angriff, als die Band bereits spielte. Während des sechsten Songs knallten plötzlich Schüsse - lauter als die Musik. Die Bandmitglieder warfen sich zu Boden, konnten sich über den Hinterausgang der Bühne in Sicherheit bringen.

Britisches Crew-Mitglied unter den Toten

Auf Facebook veröffentlichte die Gruppe nach Mitternacht ein Statement, aus dem Schock und Trauer sprechen. Später wird bekannt, dass mindestens ein Mitglied der Crew bei dem Terrorangriff ums Leben gekommen ist: Der Brite Nick Alexander, der am Merchandise-Stand Fanartikel verkaufte, war unter den Opfern, bestätigte seine Familie der Zeitung The Independent.

Die "Eagles of Death Metal" sollten in den kommenden Tagen auch Konzerte in Deutschland spielen, in Köln, München und Bremen; bis Dezember sollte die Europatour gehen. "Es gehört auch zur Pietät, dass man jetzt abwartet, bis die Band auf uns zukommt und wir sie nicht zu einem Aktionismus drängen", sagte am Samstag der deutsche Konzertveranstalter Lieberberg. "Die Gruppe wird nach Hause fahren", sagte ein Mitarbeiter des französisches Konzertveranstalters der Nachrichtenagentur AFP.

© SZ.de/mati
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