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Astronomie:Licht und Zeit

Dieses Bildwunderbuch erklärt die Relativitätstheorie auf 48 Seiten in anschaulichen Bildern und einem sehr gelungenem Text schon für junge und auch ältere Leser. Es beginnt mit einem Grundkurs in Physik.

Von Bernd Graff

Das wunderbar illustrierte Buch von Sheddad Kaid-Salah Ferrón und Eduard Altarriba, das im Knesebeck Verlag erschienen ist, trägt den Titel: "Professor Albert und das Abenteuer der Relativitätstheorie", es ist dezidiert an Jugendliche gerichtet. Ein Abenteuer, das kann man schon sagen, wenn man es noch gar nicht aufgeschlagen hat, sind ganz bestimmt der Autor Ferrón, der Illustrator Altarriba und der Verlag eingegangen. Denn es erscheint schier abenteuerlich, jungen Menschen die Relativitätstheorie Einsteins auf nur 48 reich bebilderten Seiten nahebringen zu wollen. "Herzlich willkommen zu unserer unglaublichen Reise!", steht denn auch gleich in der Einleitung. Kann das also gelingen?

Es kann. Und das sogar sehr gut.

Man kann gar nicht genug würdigen, welche Erklär-Arbeit hier in Bildern und Text geleistet wird. Denn die Relativitätstheorie - das Buch unterscheidet sauber zwischen Spezieller und Allgemeiner Relativitätstheorie - ist nicht zu verstehen ohne ein Verständnis für die Wechselwirkung von Materie, Raum, Zeit und Geschwindigkeit. So beginnt es denn auch mit einem Grundkurs in Physik.

Auch die Zeit ist relativ. Man ist gerade mal auf der Doppelseite 18-19, um auf eine der schönsten Illustrationen des gesamten Buches zu stoßen. Ein schwebender Astronaut, allein im schwarzen All. Das ist nicht nur eine berückend sinnträchtige Metapher für die menschliche Verfassung, das fast leere Bild zeigt auch, wie ausgeruht und souverän der Band sein Thema handhabt. Erklärt und erörtert wird nur, was unbedingt sein muss, der Rest ist wunderschön gestaltet.

Und es geht Schlag auf Schlag. Wenn man einmal begriffen hat, dass überall im Universum nur das Licht sich mit einer konstanten Geschwindigkeit bewegt, dass also nur diese Geschwindigkeit unabhängig von Bezugssystemen ist, dann müssen Raum und Zeit zum Licht in Relation gesetzt werden. Nicht die Zeit, nicht der Raum sind also absolut, wie Galilei und Newton dachten, nur die Lichtgeschwindigkeit ist es. Aus diesem Gedanken entwickelte Einstein 1905 seine Spezielle Relativitätstheorie, in der sich die Zeit dehnen kann, Längen sich verkürzen und Massen zunehmen können. Unser Alltag ist zu langsam, um das zu bemerken, aber je mehr wir uns der Lichtgeschwindigkeit nähern, umso mehr dehnt sich die Zeit und umso langsamer geht eine Uhr. Das Buch zeigt anhand einiger gar nicht schwieriger Gedankenexperimente, was es bedeutet, dass die Lichtgeschwindigkeit auch in bewegten Objekten immer konstant bleibt. Darum ist die Zeiterfahrung nicht nur abhängig vom Beobachter. Ein mit Lichtgeschwindigkeit reisender Astronaut wird auch faktisch "langsamer" älter als ein Erdbewohner. Das ist etwa der Stoff, aus dem der Kinofilm "Interstellar" sein Weltraum-Drama strickt, oder Kubricks "Space Odyssey".

Man wird nicht sagen können, dass Einsteins Theorien ein Klacks waren, nur weil dieses wunderbare Buch schon auf Seite 48 am Ende ist. Sicher, man will es auch danach immer wieder in Lichtgeschwindigkeit verschlingen, und das sind immerhin: 299 792 458 Meter pro Sekunde. Die Relativitätstheorie bleibt immer ordentlich "food for thought", egal wie alt die Leser sind. Doch genau das ist die Leistung dieses Buches: Es gelangt eben- SW°º¤ø,¸,ø¤º°°º¤ø,ø¤°º¤ø¸,ø¤º¤øSH! - rasend schnell an den Punkt, an dem man lange, sehr lange Zeit zu denken hat.

Sheddad Kaid-Salah Ferrón, Eduard Altarriba: Professor Albert und das Abenteuer der Relativitätstheorie. Aus dem Spanischen von Ebi Naumann. Knesebeck Verlag 2020.48 S., 16 Euro.

© SZ vom 31.12.2020
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