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Kinofilm über Pippi-Langstrumpf-Autorin:Was bedeutet Zukunft? Aus Astrid platzt es heraus: Freiheit!

Dass Astrid aber nicht fürs Landleben gemacht ist, müssen, wenn auch seufzend, die strengen Eltern einsehen. In der Schülerzeitung hat ihre Tochter einen Aufsatz mit dem Titel "Das Leben auf unserem Hof" geschrieben, und diesen Text hat der erste und einzige Redakteur der Ortszeitung Vimmerby Tidning in die Hände bekommen. Der Mann, Blomberg, ist die personifizierte Midlife-Crisis. Er will sich gerade scheiden lassen und versucht, sein Leben und seine Arbeit (beides findet im selben Haus statt) wieder in den Griff zu bekommen. Deshalb sucht er eine Redaktionshilfe. Also fragt Blomberg (Henrik Rafaelsen) bei Astrids Eltern um Erlaubnis, und die geben unter der Bedingung nach, dass Astrid nach der Arbeit noch beim Heumachen und Holzeinfahren hilft.

Für Blomberg nimmt sie begeistert Todesanzeigen und Hochzeitsannoncen entgegen, liest Korrektur und darf kleine Reportagen über Lokalbahnhofseröffnungen an einem fremdartigen Apparat namens Schreibmaschine verfassen. Was die meisten Zeitungsvolontäre heute wohl als publizistische Vorhölle empfinden würden, ist für das lebenshungrige Mädchen vom Pfarrhof bei Vimmerby das Paradies.

Was bedeutet für dich Zukunft, fragt Blomberg seine fleißige Mitarbeiterin. Aus Astrid platzt es sofort mit leuchtenden Augen heraus: Freiheit!

Zu dieser Freiheit gehört für sie auch, dass sie mit ihrem Chef schläft. Astrid, die das Leben kennenlernen möchte, und Blomberg, der sein aktuelles Leben gern vergessen möchte, verlieben sich ineinander. Über ihr erstes erotisches Abenteuer hat Astrid Lindgren erst sehr spät öffentlich gesprochen. Denn die Affäre endet für das Mädchen tragisch. Sie wird zum Entsetzen der Eltern schwanger, von einem noch verheirateten, 30 Jahre älteren Mann. Das allein hätte im ländlichen Schweden der Zwanzigerjahre, zumal für eine Familie, die ihr Land von der Kirche gestellt bekommt, für einen gesellschaftlichen Komplettabsturz gereicht. Aber Astrid entschließt sich nicht nur dazu, das Kind zu bekommen, sondern auch, auf den dazugehörigen Vater zu verzichten, den sie verlässt, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen - die ultimative Provokation.

Der Film folgt Astrid auf ihrem schweren Weg nach Stockholm, wo sie ihren wachsenden Bauch vor der lästernden Heimatgemeinde versteckt. Von dort aus reist sie nach Kopenhagen, wo es das einzige Krankenhaus im stockkonservativen Skandinavien gibt, in dem Frauen anonym ein Kind zur Welt bringen können, ohne den Namen des Vaters angeben zu müssen. Nach der Geburt gibt sie ihren Sohn Lasse zu einer dänischen Pflegemutter und absolviert in Stockholm eine Sekretärinnenausbildung, um Geld für ihre kleine Familie zu verdienen. Das Kind sieht sie nur alle paar Monate, weil die Überfahrt so teuer ist.

Diese Trennung, die sich über drei Jahre zieht, wird zur schwersten Zeit ihres Lebens, wie Lindgren später zu Protokoll gegeben hat. Und sie ist der Ursprung für all die einsamen Jungen in ihren Büchern, in die sie sich hineinversetzen konnte wie keine Zweite, von Bosse in "Mio, mein Mio" bis zu Lillebror in "Karlsson vom Dach". Sie ist aber natürlich auch der Ursprung für all die aufmüpfigen, stürmischen Mädchen, von Pippi Langstrumpf bis Ronja Räubertochter, die sich nicht unterkriegen lassen vom Irrsinn des Lebens.

Gespielt wird Astrid im Film von der Schauspielerin Alba August. Das soll in Lindgrens schwedischer Heimat für Stirnrunzeln gesorgt haben, weil die 25-Jährige aus Dänemark stammt. Was wohl so empfunden wurde, als hätte man für den deutschen Literaturnationalhelden Goethe nur einen Österreicher gefunden, der ihn spielen soll. Aber so wie Alba August diese Rolle spielt, mit einem neugierigen Lebenshunger, wie man ihn nur mit siebzehn haben kann, bleibt wirklich kein Zweifel, dass sie die perfekte Besetzung ist. Ihre Darstellung der Astrid Lindgren macht sie zur großen Entdeckung dieses Kinojahres.

Unga Astrid, SWE/DNK/D 2018 - Regie: Pernille Fischer Christensen. Buch: Christensen, Kim Fupz Aakeson. Kamera: Erik Molberg Hansen. Mit: Alba August, Trine Dyrholm. DCM, 123 Minuten.

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