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Astrid Lindgren Award:Wolkenbilder

Die südkoreanische Künstlerin Baek Hee Na animiert ihre Geschichten, indem sie plastische Figuren herstellt und diese fotografiert. Jetzt wurde sie mit dem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichnet.

Einer der Höhepunkte der Internationalen Kinderbuchmesse in Bologna ist seit 2002 die Verkündung des Astrid Lindgren Memorial Awards (Alma). Diesen mit 440 000 Euro international höchstdotierten Kinder- und Jugendbuchpreis stiftet der schwedische Staat und zeichnet damit Künstler oder Organisationen aus, die sich im Sinne Astrid Lindgrens um die Förderung des Lesen verdient gemacht haben. Die Juroren in Stockholm wurden in der Vergangenheit für gewöhnlich per Video mit dem Plenum in der großen Messehalle in Bologna verbunden, was technisch oft ein Problem war und verlässlich für Spannung sorgte. In diesem Jahr, in dem die Messe abgesagt werden musste, verkündet die Jury des staatlichen Kulturrates ihre Entscheidung aus der Wohnung von Astrid Lindgren in Stockholm. Die schwedische Kulturministerin Amanda Lind übernahm von dort die offizielle Begrüßung für die Zuschauer am Bildschirm, und Johan Palmberg, der Enkel von Astrid Lindgren verkündete danach die Siegerin. Es ist die Koreanerin Baek Hee Na, die unter 24 Kandidaten aus 67 Ländern ausgewählt worden war. Am Telefon von ihrem Glück informiert, war sie so fassungslos, dass sie zuerst gar nicht glauben konnte, mit der Juryvorsitzenden des Astrid Lindgren Memorial Awards zu sprechen. In Korea eine der erfolgreichsten Illustratorinnen wurde die 1971 in Seoul geborene Künstlerin international bekannt durch ihr Bilderbuch "Wolkenbrot", mit dem sie bereits 2005 auf der Kinderbuchmesse in Bologna den Preis für das beste Buch in der Kategorie Fiction gewann. Es ist im letzten Jahr im Mixtvision Verlag auf Deutsch veröffentlicht worden. Und es ist ein Beispiel für die ungewöhnliche Illustrationskunst, die Baek Hee Na in einem Studium der Animation in Kalifornien lernte. Sie erzählt ihre Geschichten, indem sie plastische Figuren, manchmal auch aus Stoff, entwickelt, und in Szene setzt, auf Collagen, die dann abfotografiert werden. Ihre Bilder wirken wie animierte Welten, manchmal wie kleine Puppenstuben, von denen eine fast greifbare Faszination ausgeht. Für den Bilderbuchmarkt in Deutschland ist diese Künstlerin erst noch zu entdecken.

© SZ vom 01.04.2020

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