Jede Musik ist Spiegel ihrer Zeit. Auch solche, die sich von ihr abwendet, mit ihr bricht, sie vielleicht gar verdammt. Dieses Paradox lässt sich gegenwärtig bei keinem Komponisten besser beobachten als bei Arvo Pärt, der an diesem Donnerstag 90 Jahre alt wird. Zu seinen Stücken gehört immer eine Geste der Weltabwendung, verbunden mit Begriffen wie Harmonie, Schönheit, Reinheit, einem Leuchten aus der Tiefe der Zeiten. Für die menschliche Stimme hat er fast ausschließlich älteste Texte aus allen christlichen Konfessionen vertont. Dennoch erreicht Pärt, der nach langem Exil seit 2008 wieder in seiner estnischen Heimat lebt, damit ein Publikum, so breit und in sich so divers, wie kaum ein klassischer Zeitgenosse.
KlassikLeuchten aus der Tiefe der Zeiten
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Meister der Verknappung und der religiösen Meditation: Eine Würdigung zum 90. Geburtstag des Komponisten Arvo Pärt.
Von Michel Stallknecht
