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Art Basel Miami Beach:Bodenfrage

Die Kunstmesse Art Basel Miami Beach führt die neue Sektion "Meridians" für großformatige Installationen ein. Vorbild ist die "Unlimited"-Sektion in Basel. Doch der Teppich in der neuen Halle fährt der Kunst in die Parade.

Miami Beach hat seinem Convention Center kürzlich ein Facelifting verpasst. Dank dieser mehr als 600 Millionen Dollar teuren Renovierung konnte sich die Art Basel Miami Beach bei ihrer diesjährigen 18. Ausgabe ausdehnen. Der neu eingeführte Sektor "Meridians" soll wie die "Unlimited" bei der Muttermesse in Basel den großen Formaten Raum geben. Doch anders als dort, wo die Werke in den rohen Hallen bestens zur Geltung kommen, müssen sie hier im 6000 Quadratmeter großen Grand Ballroom gegen einen aufgeregt gemusterten Teppich antreten. Eine optische Katastrophe, über die viele der Aussteller mehr als unglücklich sind.

Die mexikanische Kuratorin Magalí Arriola hat 34 Künstler ausgewählt, die hier ihre Arbeiten präsentieren. Dabei überzeugen vor allem die großformatigen, farbintensiven Gemälde von Frank Bowling "Africa to Australia" (Galerie Hales) und Sam Francis (Thomas). Sie behaupten sich auch am besten gegen den Bodenbelag. Oscar Tuazons Riesenobjekt "Quonset Tent" (Chantal Crousel) wirkt in der Halle hingegen ausgesprochen seltsam.

Zu den bemerkenswerten Film- und Videoarbeiten zählt die Neun-Kanal-Installation "Lina Bo Bardi - A Marvellous Entanglement" von Isaac Julien über das Leben der brasilianischen Architektin und Designerin (Miro/Roesler/Silverman). Auch Adam Pendleton wartet mit einem filmischen Porträt auf: "Ishmael in the Garden" über den Choreografen Houston-Jones (Pace). Theaster Gates' Film "Dance of Malaga" (Gray/Regen Projects/White Cube) ist hier nicht zum ersten Mal zu sehen. Er wurde im Frühjahr schon im Pariser Palais de Tokyo gezeigt. Tom Friedmans "Cocktail Party" (Fridman/Augustine) avancierte bei der Preview ebenso schnell zum Publikumsliebling wie Portia Munsons feministische Rauminstallation "The Garden" (P.P.O.W.), die noch am Eröffnungsabend für 225 000 Dollar einen Käufer fand.

Die Art Basel muss sich nach diesem Start der "Meridians" überlegen, wie sie mit dem Großformat-Sektor an diesem Ort weiter umgehen will. Der große Ballsaal taugt vielleicht für opulente Bankette. Um hier zeitgenössische Kunst adäquat präsentieren zu können, muss die Messleitung sich etwas einfallen - und am besten den Bodenbelag verschwinden lassen.