Kinderbuch:Feuerwanzen tanzen ganz selten

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Das Thema, das immer wieder schockiert - Armut in Deutschland , wir hier trotz aller Dramatik, mit Happy End erzählt

Von Hilde Elisabeth Menzel

Jeder der vier Romane von Stefanie Höfler, in denen es um Freundschaft, Mobbing, Trauer und Familiengeheimnisse geht, wurde mit Preisen ausgezeichnet. Ihr neues Kinderbuch "Feuerwanzen lügen nicht" ist die Geschichte zweier Freunde, die sich im Laufe der Handlung erst richtig kennenlernen. Erzählt wird sie aus Sicht von Nits, eine Abkürzung von Nityananda, ein indischer Name, den er der indischen Abstammung seiner Mutter verdankt. Nits' Spezialität ist seine Begeisterung für Reime, die die Autorin jedem Kapitel voranstellt. "Feuerwanzen tanzen ganz selten / sondern klettern ohne Verheddern / an viele verschiedene Ziele./ Beinahe nie / stürzen sie / tief." Nits' bester Freund seit Kindergartentagen ist Mischa, der im Gegensatz zum zappeligen Nits ein ruhiger, konzentrierter, sehr kluger Junge ist. Die Porträts dieser beiden sehr unterschiedlichen Jungen sind der Autorin so gut gelungen, dass sie dem Leser noch lange im Gedächtnis bleiben. Über Mischas Familienverhältnisse weiß Nits wenig, nur, dass er sich viel um seine kleine Schwester Amy kümmert, die er oft am Kindergarten abholen muss. "Wenn Mischas Vater auftaucht, fallen fast allen die Augen aus dem Kopf. Denn Mischas Dad sieht aus wie ein Rockstar ohne Bühne." Seine Mutter sei Biologin und auf Exkursion, behauptet Mischa, und Nits hat keine Veranlassung daran zu zweifeln.

Die Geschichte eskaliert, als Mischas Vater in große Schwierigkeiten gerät und aus der Freundschaftsgeschichte ein veritabler Krimi wird.

Nits' Glaube an Mischa kommt ins Wanken, als der Lehrer verkündet, dass die Klasse zum Schwimmunterricht müsse. Mischa will daran nicht teilnehmen, und der Lehrer verlangt ein Attest, das Mischa auch abliefert. Doch als Nits durch Zufall feststellt, dass der Arzt, dessen Adresse auf Mischas Attest stand, gar nicht existiert, ist er irritiert und stellt seinen Freund zur Rede. Es war ihm, der aus wohlhabendem Elternhaus stammt, nicht in den Sinn gekommen, dass Mischa sich einfach keine Badehose kaufen kann. Als dieser dann kurz danach verstört in die Schule kommt, weil sein Vater nachts nicht heimgekommen war, begreift Nits, dass etwas nicht stimmt im Leben seines Freundes. Zum ersten Mal nimmt Mischa ihn nun mit in seine Wohnung, und Nits ist schockiert von der Armut, die sich hier schonungslos offenbart.

Die Schilderung dieser Konfrontation zweier Welten ist eine Schlüsselszene der Geschichte und zeigt Stefanie Höflers große Begabung sich in ihre jugendlichen Helden einzufühlen. Erzählt wird die Handlung einmal aus Sicht des geschockten Erzählers Nits, und zum anderen als Bekenntnis des betroffenen Mischa, der sich gezwungen sah, seinen Freund ganz gegen seine Überzeugung anzulügen.

Armut in unserem Land wird in der Kinderliteratur nicht oft thematisiert, ist aber hochaktuell, und wenn sie glaubwürdig erzählt wird, kann sie den jugendlichen Lesern die Augen öffnen und bleibt im Gedächtnis. Die Geschichte eskaliert, als Mischas Vater in große Schwierigkeiten gerät und aus der Freundschaftsgeschichte ein veritabler Krimi wird. Doch da wir es mit einem Kinderbuch zu tun haben, schenkt die Autorin ihren Helden trotz aller Dramatik ein Happy End. (ab 11 Jahre)

Stefanie Höfler: Feuerwanzen lügen nicht. Beltz & Gelberg 2022. 234 Seiten, 15 Euro.

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