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Aretha Franklin zum 70.:R.E.S.P.E.C.T.

Konstante in einer schnelllebigen Zeit: Aretha Franklin war knapp zwei Jahrzehnte lang der unangefochtene Superstar des Soul. Dann wurde die Predigertochter langsam in die Verläpperung und Verdämmerung des risikofreien Legendenstatus' geschickt. An diesem Sonntag feiert sie ihren 70. Geburtstag.

Als das propere Stimmwunder Aretha Franklin mit zarten 18 von Columbia Records unter Vertrag genommen wurde - protegiert von John Hammond, der während seiner unvergleichlichen Karriere Billie Holiday, Benny Goodman, Bob Dylan, Leonard Cohen und Bruce Springsteen zu Plattenverträgen verhalf - da passierte erst einmal nicht viel und danach wenig.

Aretha Franklin Performs At The Fox Theatre

Multiple Möglichkeiten in sich selbst: Soul-Diva Aretha Franklin feiert an diesem Sonntag ihren 70. Geburtstag.

(Foto: AFP)

Columbia verdiente damals sein Geld mit Soundtracks von Musicals, mit mildem Jazzgesang und Las-Vegas-reifem Geschnulze, und auch die in Detroit aufgewachsene Predigertochter sollte irgendwie in die vorgegebenen Muster gepresst werden, mal als neue Gospel-Prinzessin, mal als Schlagersternchen, mal als Sängerin von Jazz-Standards. Im Frühling sollte sie Judy Garland werden, im Herbst Barbra Streisand sein, aber nichts davon verfing beim Publikum und irgendwann Mitte der sechziger Jahre wurden die Verträge gelöst.

Jerry Wexler, kreativer Kopf von Atlantic Records, nahm die junge Frau mit nach Alabama, setzte sie ans Klavier und bestellte ein paar fette Bläser-Riffs beim ortsansässigen Muscle-Shoals-Team: Der Rest ist Musikgeschichte. Als Aretha Franklin "I Ain't Never Loved a Man (the Way I Love You)" intonierte, konnte sie endlich den multiplen Möglichkeiten in sich selbst nachgehen und nachgeben und war nicht mehr durch Fremdvorstellungen abgelenkt.

Denn trotz ihres fast noch jugendlichen Alters hatte sie schon die Trennung der Eltern zu verkraften gehabt, den frühen Tod der Mutter, das strapaziöse Leben als singende Tochter eines schwarzen Predigers, eine im Ansatz verbotene Laufbahn als Kinderstar, eine Teenager-Schwangerschaft samt Schulabbruch, jedenfalls genug, um verlangen zu können, dass man ihr "R.E.S.P.E.C.T." entgegenbringt.

Ein Versprechen, das sich alles zum Guten wendet

Andererseits entstammte sie der schwarzen Mittelschicht, war ideal als Projektionsfläche liberaler Emanzipationshoffnungen, was die Zukunft Afro-Amerikas anging, kurz: Sie war ein Versprechen, dass sich alles zum Guten wenden würde in den von Vietnamkrieg und Rassenunruhen erschütterten USA. Das stimmgewaltige Einlösen dieses Versprechens machte Aretha Franklin für fast zwei Jahrzehnte zum unangefochtenen Superstar des Soul.

Dann stieß sie an jene unsichtbaren Grenzen, die älter werdenden Frauen im Showgeschäft errichtet werden. Als etwa Whitney Houstons Stern auf demselben Label, auf dem auch Aretha veröffentlichte, zu steigen begann, wurde sie mit besten Wünschen Richtung Austrag komplimentiert: Duette mit George Michael oder George Benson, eine eigene Fernsehshow, Lieder in Filmsoundtracks oder der TV-Werbung - Naivlinge mögen das für Erfolge halten.

Doch so sieht das Ende aus, nein, eher so ein Verläppern und Verdämmern in den risikofreien Legendenstatus. Das wünscht man niemandem, schon gar nicht der einst unbestrittenen Königin der Popmusik. Aber wer weiß, vielleicht ist es der Rummel um den runden Geburtstag, der die große Aretha Franklin noch einmal inspiriert, sich neu zu erfinden, ein vielleicht letztes künstlerisches Wagnis einzugehen. Sie wird siebzig an diesem Sonntag.