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ARD-Musikwettbewerb:Reife Leistungen

Die Sieger des Semifinales Klarinette stehen fest

Von Klaus Kalchschmid

Wolfgang Amadé Mozarts KV 622 ist ein traumhaft schönes Meisterwerk, aber würde es nicht ermüden, alle sechs Semifinalisten im Fach Klarinette beim 68. Musikwettbewerb der ARD einzig mit diesem Konzert zu hören? Wohl die meisten Zuhörer im Prinzregententheater waren überrascht, wie erfrischt und um etliche Erkenntnisse bereichert sie am Ende nach Hause gingen. Denn sie hatten drei lehrreiche, aber auch manchmal beglückende Stunden erlebt, in denen zu hören war, wie verschieden auf hohem Niveau musiziert werden und wie unterschiedlich daher ein und dasselbe Werk klingen kann; immer an der Seite des bis zum Schluss prägnant und ebenso aufmerksam wie flexibel begleitenden Münchener Kammerorchesters und seiner Konzertmeisterin Yuki Kasai.

Gleich zu Beginn lag die Messlatte nach dem Koreaner Han Kim sehr hoch. Er spielte mit kontrolliertem, feinem Ton und nicht zuletzt schönen Nuancen im Piano, verfügte aber auch über eine sonore Tiefe. Dagegen fiel die Tschechin Anna Paulová mit allzu biederbraver Gestaltung ab, während der Litauer Zilvinas Brazauskas oft verhalten schlank blieb, ebenfalls traumhaft schöne Piani, aber auch große dynamische Kontraste wagte und dabei immer musikalisch phrasierte. Leider reichte diese reife Leistung zusammen mit dem, was er in den Vorrunden geboten hatte, nicht aus für die Endrunde.

Dafür wird der Portugiese Carlos Brito Ferreira beim Finale Elliott Carters Klarinettenkonzert darbieten dürfen, nachdem er bei Mozart mit natürlicher, aber auch etwas naiver, allzu geradliniger Gestaltung nicht ganz überzeugen konnte. Anders der Franzose Joë Christophe: Er spielte mit ungemein facettenreich feinem Ton, der stets von zartem Leben, aber auch Wärme erfüllt war. Das Adagio musizierte er mit fast manieristischer Überfeinerung, ohne diese freilich zu übertreiben. Als letzter gab sich der Slowene Blaz Sparovec recht exzentrisch und stellt seinen hellen, fast durchdringenden Ton in der Höhe, aber auch eine satte Tiefe regelrecht aus. Im Final-Rondo wagte er als einziger der sechs Semifinalisten Keckheit. Doch auch für ihn fand sich kein Weg ins Finale am Mittwoch im Prinzregententheater, das außer Ferreira nur noch Kim und Christophe erreichten. Beide werden das Klarinettenkonzert von Sándor Verress spielen, auch zu erleben via Livestream über www.ard-musikwettbewerb.de.

© SZ vom 10.09.2019

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