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ARD-Musikwettbewerb:Knoten geplatzt

Das Preisträgerkonzert im Prinzregententheater

Von Klaus Kalchschmid

Nach der Pflicht kam die Kür, nach dem Finale das Preisträgerkonzert, dazu ein akustisch besserer Raum, ein anderes Orchester, ein neuer Dirigent, und sogar das nicht gerade exzellente, etwas stumpf klingende Instrument ist fast vergessen: Sihao He mühte sich beim Finale im Herkulessaal immer wieder, seinem Cello im Schumann-Konzert Fülle, Farben und eine musikalische Gestaltung abzugewinnen, bekam dafür aber den dritten Preis, zumal der 26-jährige Chinese im Semifinale hervorragend Joseph Haydns D-Dur-Konzert gespielt hatte.

Nun beschloss er das erste Preisträgerkonzert im Prinzregententheater mit dem Rundfunkorchester unter Leitung von Valentin Uryupin mit demselben Konzert; und plötzlich schien ein Knoten geplatzt. Freier, präziser, sogar sonorer klang vieles und der "Sehr lebhaft" überschriebene abschließende Satz wurde zu einem leicht verrückten Tanz. Dagegen waren die "torkelnden Männer mit Teufelsmasken" im "Feuerläufer" genannten dritten Satz des Schlagzeug-Konzerts "Focs d'artifici" von Ferran Cruixent um einiges wilder und zirzensischer; da schoss Strawinskys "Sacre" um die Ecke und war vieles auf den äußeren Effekt komponiert. Ihn kostete der 22-jährige Franzose Aurélien Gignaux, ausgezeichnet mit dem zweiten und dem Preis für die beste Interpretation des Auftragswerks, weidlich, aber kontrolliert aus.

Ganz unterschiedlich waren auch die Werke und die beiden Holzbläser, die sie spielten. Leider war Theo Plath (dritter Preis) im Fagottkonzert von Carl Maria von Weber wieder - wie im Finale mit demselben Konzert - allzu zurückhaltend, verzichtete darauf, Melodien Kontur zu geben und zwingend zu phrasieren, also aus schönen Tönen auch Musik zu machen. Die Herausforderung für den Klarinettisten Han Kim (Zweiter und Publikumspreis) war eine ganz andere und diese meisterte er furios, besteht Elliott Carters Konzert aus dem Jahr 1996 doch aus sieben kurzen, in Tempo und Ausdruck facettenreich kontrastierenden Sätzen, die die oftmals virtuose Klarinette stets mit einer anderen Instrumentengruppe zusammen agieren lassen: zuerst mit Harfe, Klavier und Marimba; dann mit Schlagwerk oder dem gedämpften Blech, den Holzbläsern oder fünf Solo-Streichern. Am Ende stand der 23-jährige Koreaner vorne beim Dirigenten und konnte sich exzellent gegenüber dem Orchester behaupteten.

© SZ vom 20.09.2019

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