Belgien

Das gleißende Weiß schmerzt in den Augen. Die Belgier haben ihren Pavillon offenbar gnadenlos ausgeräumt. Erst nach ein paar Schritten wird eine schmale weiße Holzkonstruktion, nicht mehr als eine Umrisslinie im Raum, sichtbar. Dann die winzigen Fotos an der Wand von privaten Räumen. Sie sind Zeugen eines gewaltigen Forschungsprojekts. Denn die Kuratoren haben Tausend Privatwohnungen in Belgien besucht und die Gestaltung ihrer Innenräume analysiert: die Armada der Küchengeräte, die Sofaecken und Traumfänger über dem Bett.

Das, was Architekten kaum Freude bereitet, die Eroberung des Raums durch die Bewohner, hat sie interessiert - anders als die Architektur im 20. Jahrhundert. Die fokussierte gerne auf Fassade, Fertighaus und Funktionstrennung. Die Hülle interessierte sie mehr als das anschließende Leben darin. Der Blick des belgischen Pavillons ins Innere unserer modernen Wohnwelten versucht jetzt den Perspektivwechsel. Aus diesem dürften sich andere Häuser ableiten lassen als von der Perspektive ehemaliger Großbaumeister. Deren Masterplan-Podest ließ nämlich immer nur eine gottähnliche Draufsicht zu.

Bild: Courtesy la Biennale di Venezia 7. Juni 2014, 16:382014-06-07 16:38:55 © SZ.de/ihe/rus