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Architektur:Münchner Preise?

In Berlin sollen mehr Hochhäuser gebaut werden. Aber was für welche, und mit welcher sozialen Mischung? Es wird jetzt mit den Bezirken und am Ende im Abgeordnetenhaus über ein "Hochhausleitbild" debattiert.

In Berlin sind nur wenige Häuser höher als 35 Meter, aber in der bauwütigen Gegenwart wächst ihre Zahl ständig. Vor wenigen Tagen erst feierte in der Nähe des Alexanderplatzes, gleich neben der Shopping-Mall "Alexa", das Wohnhochhaus "Grandaire" Richtfest. Der Turm des L-förmigen Riegels erreicht eine Höhe von 65 Metern. Weit entfernt, im Südwesten, wird der Siebziger-Jahre-Bauskandal West-Berlins, der Steglitzer Kreisel, zum "ÜBerlin Residential Tower" umgebaut. Versprochen ist das mit 120 Metern höchste Wohnhaus der Stadt. Diese wartet seit vielen Monaten auf ein "Hochhausleitbild". Bereits im April 2017 hat das Abgeordnetenhaus den Senat beauftragt, einen Hochhausentwicklungsplan zu erarbeiten, der "städtebauliche Qualitätskriterien" festlegen soll. Am Dienstag wurde ein erster Entwurf im Senat vorgestellt, er soll nun mit den Berliner Bezirken, von denen jeder eine Großstadt für sich ist, beraten, dann öffentlich diskutiert und schließlich Ende des Jahres im Abgeordnetenhaus debattiert werden. Es geht um die Definition von Mindestanforderungen für alle Investoren. Die Öffentlichkeit muss mitreden können, Hochhäuser verändern die unmittelbare Nachbarschaft und den Kiez grundsätzlich. In Gestaltungsfragen neigt der Berliner Stadtfreund derzeit zur Resignation, hat er doch das ewig diskutierte Klötzchen-Paradies am Hauptbahnhof vor Augen. Auch die Entwürfe für das "Grandaire", an dessen Richtfest die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher teilnahm, wecken kaum Begeisterung, eher ein murmelndes Urteil: "ja, kann man machen, wird ja viel gebaut".

Wichtiger und wohl wirksamer sind Regeln für die nicht-ästhetischen Fragen. Wie beeinflussen die Hochhäuser das Stadtklima? Welche Folgen haben sie für den Verkehr ringsum? Und wird in ihnen eine sozial gemischte Gesellschaft hausen? Die Wohnungspreise im "Grandaire" wie im "ÜBerlin Tower" sind für Berlin sehr hoch, geradezu münchnerisch.