Archäologie am Tempelberg Gefährliches Schweigen

Die Israelis bauen an einem eigenen Zugang zum Tempelberg, nachdem ihre ursprüngliche Fußgängerrampe bei einem Sturm zerstört worden ist. Nun fordert die Unesco von Israel einen Baustopp.

Von Thorsten Schmitz

Die Unesco hat in einem sechsseitigen Bericht zu den umstrittenen Bauarbeiten am Fuße des Tempelbergs in Jerusalems Altstadt Tadel und Lob ausgeteilt. Die israelische Antikenbehörde, die die Grabungsarbeiten zur Errichtung einer neuen Fußgängerrampe beaufsichtigt, hat sich nach Einschätzung der UN-Organisation bislang nichts zuschulden kommen lassen.

Ein Team der Unesco habe sich auf der Baustelle davon überzeugen können, dass Israel durch die Arbeiten nicht - wie von vielen arabischen Staaten behauptet - das Fundament des Tempelbergs beschädige. Auf dem Tempelberg (arabisch: Haram al-Scharif) befinden sich die muslimischen Heiligtümer Felsendom und Al-Aksa-Moschee.

Dennoch verlangt die Unesco von den israelischen Behörden einen sofortigen Baustopp - um des Friedens willen. Die Zeit der Ruhe solle genutzt werden, um die jordanische Regierung und die muslimische Organisation Waqf, die die religiöse Aufsicht über die muslimischen Heiligtümer auf dem Tempelberg besitzt, in die Planungen mit einzubeziehen. Israel habe es versäumt, Transparenz bei den Bauarbeiten zu schaffen. Erst seit Beginn der Proteste können sie auf der Internet-Seite der Antikenbehörde (antiquities.org.il) mitverfolgt werden.

Nach einem heftigen Schneesturm im Februar 2004 war der Zugang zur Esplanade des Tempelbergs schwer beschädigt und geschlossen worden. Als Ersatz diente bislang ein überdachter Fußweg. Mit den jetzigen Bauarbeiten sollte ein neuer stabilerer Weg errichtet werden. Vertreter arabischer Staaten und der palästinensischen Regierung hatten Israel vorgeworfen, dass die Veränderungen am Fundament des Tempelbergs zum Einsturz des gesamten Bauwerks führen könnten.

Der Bürgermeister von Jerusalem, Uri Lupolianski, hatte nach gewaltsamen Protesten der Palästinenser die Arbeiten ruhen, Ausgrabungsarbeiten aber fortsetzen lassen. Diese müssen in Israel vor jedem Bauprojekt ausgeführt werden. Auch bei Grabungen am Tempelberg haben israelische Archäologen Reste eines muslimischen Gebetsraumes entdeckt - allerdings bereits vor drei Jahren. Den kostbaren Fund zugegeben hatte die Antikenbehörde indes erst jetzt, was das Misstrauen arabischer Staaten genährt hat.

(SZ vom 17.3.2007)