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Anti-Oscar "Goldene Himbeere" "Emoji - Der Film" - wirklich kein Meisterwerk

Die Emojis im Inneren eines Handys, der Stadt Textopolis - in "Emoji - Der Film".

(Foto: dpa)

Die Prämierten würden sich wesentlich mehr über die "Trostpreise" bei den Oscars freuen als über diese Schmäh-Trophäe. Doch wie in jedem Jahr seit 1980 sind auch jetzt wieder die "Goldenen Himbeeren" verliehen worden. Die Spott-Preise für besonders schlechte Leistungen auf der Leinwand kommen den seriösen Academy Awards stets um einen Tag zuvor.

2018 ganz vorn dabei: das Werk "Emoji - Der Film". Zum ersten Mal in der "Razzies"-Geschichte sei damit ein Animationsfilm als schlechtester Film gekürt worden, teilten die Preisverleiher auf ihrer Webseite mit.

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An die Geschichte aus dem Innenleben eines Smartphones ging auch der Zuschlag für die schlechteste Regie und das schlechteste Drehbuch ( hier die SZ-Kritik im Video). Der Erotikfilm "Fifty Shades of Grey - Gefährliche Liebe" wurde zweifach bedacht: für Kim Basinger als Nebendarstellerin und für die schlechteste Fortsetzung. Bei den Männern wurde Tom Cruise als Hauptdarsteller in "Die Mumie" hervorgehoben, Oscar-Preisträger Mel Gibson als Nebendarsteller in der Komödie "Daddy's Home 2 - Mehr Väter, mehr Probleme!" und Tyler Perry als schlechteste Schauspielerin in seiner Drag-Rolle in "Tyler Perry's Boo 2! A Madea Halloween".

Der neunfach nominierte Actionfilm "Transformers: The Last Knight" kam dagegen ohne eine einzige Nennung unerwartet glimpflich davon.

Die "Razzies" wurden 1980 vom Cineasten John Wilson als Gegenstück zur glanzvollen Oscar-Verleihung erfunden. Nach Angaben der Gruppe haben mehr als 1000 Mitglieder aus den USA und 26 weiteren Ländern abgestimmt.

In Anlehnung an die Oscars wurde ein Video mit einem "In Memoriam"-Segment gezeigt ( hier ab Minute 3:26). So gedenkt Hollywood normalerweise verstorbener Filmschaffender. Die Verleiher der Himbeeren zeigten hingegen Fotos von Harvey Weinstein, Woody Allen, Kevin Spacey und anderen Männern aus der Unterhaltungsbranche, denen sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden. Am Ende hieß es: "Es tut uns leid, aber wir werden euch nicht vermissen."

Die genüsslich trashige "Verleihung" der Razzies ist in diesem achtminütigen Video zu sehen.

Wer gewinnt denn jetzt?

Sicher, es gibt auch dieses Mal Favoriten bei den Oscars. Aber wer sich festlegt, der unterschätzt unbedingt die Wucht der "Me Too"-Debatte und den Aufstieg des schwarzen Kinos. Von Tobias Kniebe mehr...
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