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Anleitung zum Widerspruch:Mach Sprache zum Thema

Wie man sich gegen die Strategien von Rechtspopulisten wehren kann.

Von Roswitha Budeus-Budde

Was und wer versteckt sich hinter Begriffen wie Überfremdung, Lügenpresse, deutsche Leitkultur? Es sind Worte, wie diese, die inzwischen in der Alltagssprache zu finden sind und deren Ursprung und deren Bedeutung mit dazu beitragen, dass wir einen gesellschaftlichen und politischen Rechtsruck erleben. Das kleine Taschenbuch "Sprich es an. Rechtspopulistischer Sprache radikal höflich entgegentreten". der Initiative Diskursiv seziert mit dem Handwerkszeug der Semantik, wie immer wieder ganz gezielt von Pegida, der AfD und anderen rechtspopulistischen Organisationen, zu denen auch Gruppen bei den "Querdenkern" zählen, Worte benutzt werden, um Ängste zu erzeugen. An Beispielen wird deutlich, wie Sprache das Denken verändert, Gefühle auslöst und damit auch das Handeln beeinflusst. So wird der Begriff Überfremdung eingesetzt, "um auf eine "angebliche Bedrohung" der "europäischen Kultur und Identität" durch Menschen, "die nicht in das konstruierte Bild der eigenen Gruppe passen", hinzuweisen. Mehrere Kapitel beschäftigen sich mit dieser Strategie rechter Politik, klären darüber auf, wie geschickt populistische Begriffe - anscheinend durch die Meinungsfreiheit legitimiert - eingesetzt werden. Nach den theoretischen Auseinandersetzunge wollen die Autoren in "Sprich es an" Tipps und Hilfe geben, wie mit diesem Wissen die Diskussionen in Gesprächssituationen geführt werden können. Dazu inszenieren sie in Alltagsszenen mit Freunden oder Verwandten, wie es möglich ist, über Lügenpresse, Asyltourismus oder Klimahysterie "gleichberechtigt und diskriminierungsfrei zu sprechen". Immer wieder appellieren sie an die Leser: "Sprich es an! Mach Sprache zum Thema".

Dieser Text, der mit einigen Thesen selbst zur Diskussion reizt, fordert dazu auf, für demokratische Werte zu kämpfen. (ab 13 Jahre)

Felix Steffan u. a.: Sprich es an. Rechtspopulistischer Sprache radikal höflich entgegen treten. Oetinger Taschenbuch 2020. 112 Seiten, 7 Euro.

© SZ vom 28.12.2020
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