Sie könnte schnell eine Haarbürste einstecken, mit Elfenbeingriff. Oder einen Füller mit goldener Feder. Aber Hedda hat es auf einen ganz anderen Schatz abgesehen: Sulfonal, ein Schlafmittel, Morphin und eine Opiumtinktur. Diese Palette an Betäubungsmitteln entdeckt sie in den geheimen Schubladen einer Kommode, versteckt von der Gattin des „Grauen“, wie die junge Frau ihren Freier nennt. Die Gattin ist verstorben, der Witwer einsam, also nimmt er Hedda ab und zu mit in sein großes, stilles Haus und reißt sie für ein paar Stunden heraus aus ihrer Armut. Und sie sich aus ihrem Körper, geheime Schublade sei Dank.
LiteraturEin großes Gedicht
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In Anja Kampmanns Roman „Die Wut ist ein heller Stern“ spürt man auf jeder Zeile, dass sie ursprünglich Lyrikerin ist. Es geht in dem Buch um ein Hamburger Varieté im Nationalsozialismus, aber das eigentliche Ereignis ist die Sprache selbst.
Von Julia Rothhaas
