Angeben für AnfängerDie Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab

Sex in der Kutsche und Vierbuchstabenwörter: Über was unterhält man sich auf der Buchmesse? Am besten über ein paar gepflegte Literatur-Skandale.

Sex in der Kutsche und Haare am Bein: Über was unterhält man sich gepflegt auf der Buchmesse? Am besten über ein paar gepflegte Literatur-Skandale. Aus gegebenem Anlass: Ein Angeben-für-Anfänger spezial.

"Weiterfahren!" Dieser ziemlich unspektakulär klingende Befehl war Teil eines Literaturskandals, der vor Gericht ausgefochten wurde und den Autor Gustave Flaubert beinahe für zwei Jahre ins Gefängnis gebracht hätte. Es ging um einen Wagen "mit zugezogenen Vorhängen, der so immer wieder erschien, verschlossener als ein Grab und schwankend wie ein Schiff". Im Klartext: Um die ehebrecherische Emma Bovary, die es sich mit ihrem Lover Leon in einer französischen Droschke offenbar mehr als nur gemütlich gemacht hatte. Scandaleuse!

Die Brisanz ist heute nicht mehr nachvollziehbar, doch auch die Welt des Anything goes prallt immer wieder gegen literarische Stoppschilder, die aufzeigen, wo die Grenzen einer Gesellschaft liegen. Manche literarischen Skandale waren und sind aus Marketinggründen gewollt, manche brauen sich überraschend zusammen, manche Bücher sind so giftig und explosiv, dass sie einfach hochgehen müssen.

Hier zur Anleitung für eine Plauderei auf der Buchmesse eine Sarazzin-freie Cronique scandaleuse tabubrecherischer literarischer Ergüsse.

Bild: DPA 7. Oktober 2010, 09:182010-10-07 09:18:32 © sueddeutsche.de/ls/kar