Angeben für Anfänger:Jubel, Google, Heiterkeit

Google Street View kommt - und alle reden über Datenschutz. Das ist gut und richtig. Es kommt trotzdem. Lernen Sie, mitzureden und dabei richtig gut rüberzukommen.

Bernd Graff

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Google Street View kommt - und alle reden über Datenschutz. Das ist gut und richtig. Es kommt trotzdem. Lernen Sie, mitzureden und dabei richtig gut rüberzukommen.

Was ist das?

Google Street View ist erst mal nicht mehr als ein Auto, das aussieht, als ob es gerade dachseits von einem Alien geknutscht würde - es könnte aber auch die Stehlampentüten Ihrer Großmutter transportieren. Es gibt sie leider nicht mehr bei Ikea.

Dieses Tütenalien macht jedoch Fotos mit einer 360-Grad-Kamera, nimmt also nicht nur auf, was dem Auto vor den Kühler läuft, sondern alles drumherum. Es sieht also mehr als Sie. Und nur darum ist das Auto unterwegs. Das Knipsen ist kein Ponyhof, sondern professionelles Aufzeichnen unserer Städte. Denn die sollen der Welt - bitteschön, darunter macht es Google nicht - als Realabbild zugänglich gemacht werden. Mit anderen Worten: Sie sollten unbedingt gut aussehen, wenn das Auto kommt.

Text: Bernd Graff/sueddeutsche.de/rus

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So machen Sie sich lächerlich:

Ja, ist natürlich furchtbar, wenn quasianonyme Mächte so mir nichts, dir nichts Bilder von einem machen und sie anschließend ins Web pusten. Darum: Winken Sie nicht, wenn das Auto vorbeifährt, das sieht gestellt aus. Legen Sie bitte auch keine Wertsachen ins Fenster. Da die Bilder anschließend von den Guten und Schlechten der Welt angeschaut werden und man natürlich immer weiß, welches Grundstück jeweils mit offen zur Schau gestelltem Reichtum gesegnet ist, könnten Sie Langfinger inspirieren, mal bei Ihnen vorbeizuschauen. Das wollen Sie nicht - zumal die Bilder ja noch in Äonen auf irgendwelchen Servern liegen könnten. Dann würden Ihre Kinder um ihr Erbe gebracht, nur weil Sie damals so dusselig waren. Lächerlich machen Sie sich aber auf jeden Fall, wenn Sie sich einen Schwarzbalken in die Augenregion anschminken. Das wäre gut gegen Google, aber Ihre Mitwelt sieht Sie ja dann auch so. Überlegen Sie sich das also.

Foto: Jean-Yves Lemoigne

Geschäftsreise

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So schinden Sie Eindruck:

Wenn die Welt auf Sie schaut, und Sie wird es tun, bleiben Sie lässig: in Haltung, Gesinnung, Kleidung. Ganz falsch wäre es, sich für Google schick zu machen, also aufzudonnern. Lampenfieber dürfen Sie haben, aber nicht zur Schau stellen. Wählen Sie Ihre Kleidung mit Bedacht. Das ist schließlich keine Hochzeit, und der Festtag des Knipsens wäre für alle Zeit Festtag. Das vermittelt der Welt doch den falschen Eindruck. Darum auch keine Fanmeilenbemalung und keine Wacken-Open-Air-Ausnahmebekleidung. Sie dürfen einen Drink in der Hand halten, je nach Uhrzeit vielleicht Gin Tonic mit Gurke, kein Bier. Schon gar nicht aus Dose oder Flasche. Von Taucheranzügen ist ebenfalls abzusehen, es sei denn, Sie benötigen sie wirklich, um in Ihr Haus zu kommen. Lässig sollten Sie unbedingt rüberkommen und geschmackvoll, ausgereift, Persönlichkeit, die Sie sind. Darum ist bewerbungsfotomäßiges Kunstlächeln ein No-go! Ebensolche Outfits. Krampfwinken: No-go! Ihre Frisur muss unbedingt überzeitlich rüberkommen, sonst landen Sie in 30 Jahren auf der Fiesescheitel-2010-Seite.

Google 'Street View'

Quelle: dpa

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Zitieren Sie:

Dreierlei: Einmal das Firmenmotto von Google. Es lautet: "Don't be evil!" Zitieren Sie es - und nippen dann kurz an Ihrem Drink.

Und dann antworten Sie: "Eritis sicut deus scientes bonum et malum" (lat.: "Ihr werdet wie Gott sein, das Gute und Schlechte kennend", Goethe, Faust I, Mephisto).

Sie nippen dann noch mal und zitieren: "Will remind you once again / That the whole wide world is watchin'." (Bob Dylan, "When the Ship Comes In")

Es ist ja immer gut, wenn sie in ihren blöden Autos wissen, dass wir wissen.

Und beim nächsten Mal dürfen Sie sich wieder über etwas aufregen, das Sie nicht persönlich betrifft. Bis Donnerstag!

© sueddeutsche.de/rus
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