Andy-Warhol-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie:Der bewegte Mann

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Der Pop-Künstler und sein Begehren: Ein Polaroid aus der Ausstellung „Andy Warhol: Velvet Rage and Beauty“ in der Neuen Nationalgalerie (Foto: 2024 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York)

Die Neue Nationalgalerie erforscht das Begehren des Andy Warhol. Und zeigt vor allem männliche Unterleiber, statt den Einfluss der „Factory“ auf die Geschichte der Queerness zu erarbeiten.

Von Till Briegleb

Als Andy Warhol in den Fünfzigern neu in New York war, suchte er die Nähe zur Künstlerszene Manhattans – und wurde geschnitten. Er sei „zu tuntig“, erklärte ihm ein Freund auf Nachfrage. Zwar sei die Männerwelt des abstrakten Expressionismus, die damals den Ton angab, in „ihrer emotionalen Befindlichkeit natürlich homosexuell“, so der Kenner der Szene zu dem Neuling weiter. Aber nach außen hin benehme man sich eben wie Machos. Diese Anekdote, die Warhol auf den ersten Seiten seines zweiten biografischen Buchs „POPism“ 1980 erzählt, gibt eine knappe Zusammenfassung davon, was Schwulsein im Amerika der Nachkriegszeit bedeutete. Trotz teilweise scharfer Gesetze gegen die freie Selbstbestimmung gab es Freiräume, in denen Queerness selbstverständlich war, allerdings maskiert durch dominante Männlichkeit.

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