Amazon Kindle Direct Publishing Literatur nach Effektivitätsprinzip

Den Vorteil, den ein Verlag im Gegenzug für den Schriftsteller hat, ist unbestritten. Als alleinige Erwerbsquelle taugt KDP in der Regel nicht. Zwar klingen die Konditionen erst einmal vielversprechend: Tantiemen zwischen 35 und 70 Prozent und weltweiter Vertrieb, während Autoren in einem klassischen Verlag in meist "nur" einen Anteil von etwa sechs bis zwölf Prozent erhalten.

KDP-Publisher verzichten auf jeglichen Schutz durch den Verlag, erhalten keinen Vorschuss und kümmern sich selbst um Layout und Pressearbeit. Dabei mangelt es ihnen in der Regel an der Erfahrung der Verlage, die nicht umsonst Marketing-Fachleute beschäftigten. Wie wichtig diese sind, zeigt schon das durchschnittliche Einkommen der Indie-Autoren, das deutlich macht, wie weit das Selfpublishing von einer Haupteinnahmequelle entfernt ist. Einer Umfrage zufolge kommen die Autoren mit Selfpublishing nur auf einen monatlichen Durchschnittsverdienst von 312 Euro.

Megaanbieter mit Monopolstellung

Auch in Rechtsfragen steht dem Selfpublisher in der digitalen Welt niemand zur Seite. Hier fehlen viele Regelungen, die geistiges Eigentum schützen und einen gewissen Qualitätsstandard bewahren, bemängelt Imre Tökök, Bundesvorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller. Man sei mit KDP außerdem "ausgeliefert an einen Mega-Anbieter ohne Alternativen".

Amazon dominiert mit seinem E-Reader Kindle den Markt. Vor einer solchen Monopolstellung hat die gesamte Verlagswelt Respekt, wie sich auch in der Debatte um den insolventen Weltbild-Verlag zeigte. Das Versprechen, das Amazon mit KDP gibt, ist auch deshalb kritisch zu betrachten.

Jeff Bezos und das neue Kindle.

(Foto: dpa)

Ein optimierter Verlag

Amazon baut seine Verlagstätigkeiten immer weiter aus. So hat der Internetanbieter jüngst einen eigenen Verlag geschaffen. Unter der Marke Amazon Publishing erscheint auch Amazon Encore. Hier werden Titel, die vorher bei KDP erschienen sind, von Lektoren ausgewählt und in gedruckter Form veröffentlicht.

Der Konzern legt damit ein Verlagsmodell vor, in dem Literatur wirtschaftlich optimiert wird. Denkt man diese Idee weiter, steht dort eine Form von Verlag, die keinem Titel eine Chance gibt, der sich nicht von Anfang an verkauft. Eine Veröffentlichungsmaschinerie, bei der es nur noch um Effektivität geht. Eine Welt, in der es keinen Nährboden für kreative Projekte mehr gibt, findet auch Imre Tökök.

Literatur ist kein Wegwerfartikel

Denn Kreativität entsteht fern von wirtschaftlichem Druck und kann sich nicht nur nach Trends richten. Und die meisten Autoren wünschen sich zudem nicht bloß einen schnellen wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch, dass das eigene Werk nachhaltig bewegt und angemessen honoriert wird. Ob das auch das ist, was der Leser in Zukunft will, muss sich allerdings noch zeigen.