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Am Set von "Eddie the Eagle":"Das Herz eines Rennpferdes und den Verstand eines Rohrstocks"

Zumal weder Nordamerika noch England eine Iris Berben haben. Die wirbelte bei diesem Dreh vor einem Jahr als Kellnerin "Petra" durchs Olympiahaus als sei sie 35 und keine 64. Auf der Getränketafel locken dazu passend "Petra's Love Punsch - Glühwein mit Kirschwasser" für drei D-Mark.

Mit der Namensgebung für das Heißgetränk bewiesen die englischen Filmemacher, dass sie die Gegebenheiten vor Ort richtig einzuschätzen wussten. Denn seit Jahrzehnten taucht die Berben auf den vorderen Rängen von Umfragen auf, in denen nach der erotischsten Deutschen gefragt wird.

Da staunte sogar ein internationaler Superstar wie Hugh Jackman, der in dem Film Eddies versoffenen Trainer Bronson Peary spielt, einen fiktiven ehemaligen US-Skispringer, der sein Talent verschleudert hat. "Es war eine interessante Erfahrung, Iris kennenzulernen", sagte Jackman während seines beruflichen Abstechers nach Deutschland: "Denn es ist verrückt, welch ein Wirbel um ihre Person hier gemacht wird."

Eddie The Eagle "Eddie The Eagle - Alles ist möglich" Video
Trailer

"Eddie The Eagle - Alles ist möglich"

Dabeisein ist alles: Der Trailer zu "Eddie The Eagle - Alles ist möglich".

Unter den 500 Komparsen aus dem Werdenfelser Land, die am Garmischer Set ihren Auftritt als Skifahrer, Skilehrer, Funktionäre oder schlicht als Petras Kneipengäste hatten, reckten aber auch viele den Hals, wenn Jackman in Aktion war. Der "X-Man"-Darsteller ist schließlich ein richtiger Weltstar.

Diesen Status kann Taron Egerton, der im Film Eddie verkörpert, (noch) nicht für sich in Anspruch nehmen. Doch so wie sich Regisseur Dexter Fletchter den Sport-Autodidakten vorstellte ("das Herz eines Rennpferdes und den Verstand eines Rohrstocks") verlangte die Rolle von Egerton die tragende Leistung des Films ab. Er sollte seinen Landsmann als antithetische Figur darstellen - in einem Widerspruch aus Spott und Verehrung, was Egerton mit Bravour gelingt.

Springen ist wie Liebe machen

Die witzigste Szene des Films bringt die herrlich komische Dynamik auf den Punkt, die sich zwischen dem bebrillten Sonderling Eddie und dem gebrochenen Zyniker Peary entwickelt: Jackman versucht seinem Schützling den Bewegungsablauf beim Absprung mit einem Vergleich zu erklären: Das sei, wie wenn er Liebe machen würde mit Bo Derek, seinerzeit das bekannteste Sexsymbol, und von Newsweek bis Stern, über Playboy und Spiegel als "schönste Frau der Welt" apostrophiert.

Das sind harmlose Späße, die manchem vielleicht banal erscheinen mögen. Aber vollkommen geistlos ist der Film nicht. Jeder, der schon einmal miterlebt hat, wie ein Kind von sportlichem Ruhm träumt, folgt der Geschichte gerne. Durch den Verzicht auf allzu viele Fakten oder komplexe Figuren kommt die Grundaussage so schnörkellos wie möglich rüber. Medaillen wird es dafür keine geben, doch seinen Platz als "Gute-Laune-Film" hat "Eddie the Eagle" verdient.

Das sieht auch Iris Berben so. Obwohl ihre Rolle nur sehr klein ist, wollte sie unbedingt mit dabei sein: "Der Film hat etwas Warmes ..., und das ist in einer Zeit wie heute ein ganz schöner Zustand, warum man ins Kino gehen könnte, sollte und muss."

Iris Berben "Ich bin nervös reingegangen in die Szene"
Iris Berben über die Dreharbeiten zu "Eddie the Eagle"

"Ich bin nervös reingegangen in die Szene"

Die Schauspielerin hat viel erlebt, aber Dreharbeiten mit Hollywood-Stars sind auch für sie etwas Besonderes. In der Komödie "Eddie The Eagle" spielt sie eine Wirtin in Garmisch-Partenkirchen - und bedient Hugh Jackman   Interview von Bernhard Blöchl