Alt und neu Mischungsverhältnisse

Veteranen eines funkigen, elektronischen Jazzrocks: Keyboarder Oli Rubow (links) und Gitarrist Peter Wölpl treten bei Jazzfest als Duo "Luminos W" auf.

(Foto: JazzmusikerInitiative München e.V.)

Das 29. Jazzfest München funktioniert bestens als Leistungsschau der heimischen Szene

Von Oliver Hochkeppel

Nicht nur mit ihrem Können und ihrer teilweise bahnbrechenden neuen Musik macht eine neue Generation Münchner Jazzer derzeit auf sich aufmerksam, sondern auch damit, die alten Nischen verlassen, neue Spielwiesen und ein neues Publikum erobert zu haben. Vielleicht ist es auch eine Sogwirkung davon, dass sich das Jazzfest der Jazzmusikerinitiative München (J.I.M.) seit dem vergangenen Jahr erweitert und auf zwei Termine verteilt hat. Nach einem Präludium mit Barbara Dennerlein und der 29-köpfigen tschechischen Kentonmania Bigband kommt es jetzt, bei der immerhin bereits 29. Auflage des Festivals vom 8. bis 10. November - "29" lautet deswegen diesmal das schlichte Motto -, in der Black Box des Gasteigs zur gewohnten Leistungsschau der hiesigen Szene.

Die Mischung von Alt und Neu steht heuer unausgesprochen im Mittelpunkt, nicht nur in der Abfolge der jeweils drei Bands an jedem Abend, sondern oft auch bei den Ensembles selbst. So stellen sich am Donnerstag der Organist Matthias Bublath und der mit einem enormen Stimmumfang ausgestattete Scat-Sänger Robert Keller 9im Duo vor. Zuvor präsentiert sich erst das neueste heiße Eisen aus der Schmiede der Münchner Musikhochschule, das Trio des Kontrabassisten Nils Kugelmann mit Marius Wankel am Schlagzeug und dem derzeit gehypten Philipp Schiepek an der Gitarre. Gefolgt vom neuen Trio der altgedienten Ströer Brothers - Perkussionist Ernst und Multiinstrumentalist Hans Peter Ströer sind als Filmmusik- und Udo-Lindenberg-Produzenten, als Begleiter von Klaus Doldinger bis Konstantin Wecker oder Gilbert Bécaud seit Jahrzehnten graue Eminenzen der hiesigen Musiklandschaft -, die mit Tom Hauser an Bass und Keyboards experimentelle "music inspired by movies" spielen.

Am Freitag beginnen Sänger und Gitarrist Paulo Alves und Saxofonist Tom Reinbrecht mit Chop e Espresso, der streicher-gesättigten Variation ihres Chop-Gelado-Latin-Projektes. Um die südamerikanische Sprache des Jazz geht es auch bei Colorbox, in der die bewährten Groovemaster Volker Giesek (Piano) und Andreas Keller (Drums) auf die "native speakers" Marcio Tubino (Saxofon und Flöte) sowie Ciro Trindade (Bass) treffen. Dazwischen gibt es kernigen elektronischen "Dub Jazz" vom Duo Luminos W mit Oli Rubow und Peter Wölpl. Mit einem "JIM Special" geht es in den Samstag: Das litauische Kulturinstitut präsentiert den jungen Pianisten und Komponisten Giederius Nakas aus Vilnius, begleitet von den zwei Münchnern Rene Haderer am Bass und Sunk Pöschl am Schlagzeug. Danach darf man sich auf die ewig jungen, nach dem Tod ihres Gründers Christian Burchard von seiner Tochter Marja geleiteten Kult-Weltjazzer Embryo freuen, bevor Bassist Sven Faller - begleitet vom Pianisten Tino Derado - mit seiner "Night Music" für einen poetischen Ausklang sorgt.

29. Jazzfest München; Donnerstag bis Samstag, 8. bis 10. November, 20 Uhr, Black Box im Gasteig, Rosenheimer Straße 15