Alle Wettbewerbsfilme der Berlinale 2014:Am Kreuzweg zur Gewalt

Viele Filme der Berlinale spüren der Verzweiflung in Gesellschaften nach, die sich und ihre Werte aufgegeben haben. Ob im krisengeschüttelten Griechenland, in der Macho-Welt Argentiniens oder im aufstrebenden China - überall wächst die Einsamkeit.

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Viele Filme der Berlinale spüren der Verzweiflung in Gesellschaften nach, die sich und ihre Werte aufgegeben haben. Ob im krisengeschüttelten Griechenland, in der Macho-Welt Argentiniens oder im aufstrebenden Chinas - überall wächst die Einsamkeit. Alle Wettbewerbsfilme im Überblick.

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Großbritannien 2014, 100 Min., Regie: Yann Demange, Darsteller: Jack O'Connell, Sean Harris, Richard Dormer, Paul Anderson

Um was es geht:

Der Nordirland-Konflikt entwickelt sich immer mehr zum Bürgerkrieg. Der junge Rekrut Gary wird zum Einsatz in Belfast befohlen. Die Situation dort gilt als unübersichtlich und überfordert selbst erfahrene militärische Befehlshaber. Die Stadt ist geteilt in "loyale" protestantische und "feindliche" katholische Gebiete. Auf einer Patrouille geraten die Soldaten in ein Handgemenge, einer von ihnen verliert seine Waffe. Gary und ein Kamerad folgen dem Dieb, der in der Menge untertaucht. Plötzlich muss sich Gary mitten im Feindesland allein behaupten.

Was den Film interessant machen könnte:

Regisseur Yann Demange versucht, die Sinnlosigkeit des Krieges zu entlarven, indem er zeigt, wie jeder Akt der Gewalt neue Gewalt hervorruft. Ein existentialistisches Drama über verdeckte Identitäten und schleichende Paranoia.

Fotos und Texte: Berlinale

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Aimer, boire et chanter (Life of Riley)

Frankreich 2013, 108 Min., Regie: Alain Resnais, Darsteller: Sabine Azéma, Sandrine Kiberlain, Caroline Silhol, André Dussollier, Hippolyte Girardot, Michel Vuillermoz

Um was es geht:

Mitten in die Proben zu einem Theaterstück, das Kathryn mit ihrer Amateurgruppe aufführen will, platzt die schreckliche Nachricht von der Erkrankung ihres Freundes George, der nur noch wenige Monate zu leben hat. Nicht nur für Kathryn, die einmal mit ihm liiert war, sondern auch für deren Freundinnen Tamara und Monica gerät die Welt aus den Fugen, Gefühlsverwirrungen der Jugend brechen auf. Unter den Frauen entbrennt ein Streit darüber, wer George auf eine letzte Reise begleiten darf.

Was den Film interessant machen könnte:

Zum dritten Mal nach "Smoking/No Smoking" (1993) und "Coeurs" (2006) nimmt Frankreichs Altmeister Alain Resnais ein Theaterstück des britischen Dramatikers Alan Ayckbourn als Vorlage für einen Film. Mit seiner Menschenkenntnis reflektiert der 91-Jährige über die Macht von Liebe und Begehren und lässt die von ihren Sehnsüchten und Hoffnungen getriebenen Figuren für einen Moment eingefahrene Pfade verlassen.

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Aloft

Spanien, Kanada, Frankreich 2013, 112 Min., Regie: Claudia Llosa, Darsteller: Jennifer Connelly, Cillian Murphy, Mélanie Laurent

Um was es geht:

Ivan reist in Begleitung einer jungen Dokumentarfilmerin immer tiefer in eine unbekannte, von Schnee und Eis gezeichnete Landschaft. Durch Rückblenden enthüllt der Film die Vorgeschichte: Als kleiner Junge lebte Ivan mit seiner Mutter Nana und seinem kleinen Bruder Gully auf einer Farm. Die Mutter verlangt, dass Ivan dem Bruder zur Seite steht, der durch eine Krankheit geistig verfällt. Doch Ivan verfolgt lieber die Flugmanöver seines Falken Inti. Durch einen tragischen Unfall wird die Familie schließlich auseinandergerissen. Nun macht sich Ivan mit der Filmemacherin auf die Suche nach seiner Mutter. Nana soll am Ende eines gefrorenen Sees ihr Zelt aufgeschlagen haben.

Was den Film interessant machen könnte:

Claudia Llosa, die 2009 für das Drama "La teta asustada" den Goldenen Bären erhielt, erzählt in "Aloft" eine Geschichte über Verantwortung und Neuanfänge. Der Film ist ein Appell, bei allen Beschwerungen der Vergangenheit ein bewusstes Leben zu versuchen.

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Black Coal, Thin Ice (Bai Ri Yan Huo)

Volksrepublik China, Hongkong, China 2014, 106 Min., Regie: Diao Yinan, Darsteller: Liao Fan, Gwei Lun Mei, Wang Xuebing

Um was es geht:

1999 werden in einer Kleinstadt im Norden Chinas Leichen entdeckt. Bei der Festnahme der mutmaßlichen Mörder kommt es zu einem blutigen Zwischenfall, bei dem zwei Polizisten sterben und einer schwer verletzt wird. Der überlebende Polizist, Zhang Zili, wird vom Dienst suspendiert und arbeitet fortan als Wachmann in einer Fabrik. Fünf Jahre später geschehen wieder mysteriöse Morde. Zhang fängt auf eigene Faust an, zu ermitteln. Er entdeckt, dass alle Opfer in Beziehung zu einer jungen Frau standen, die in einer Reinigung arbeitet. Zhang muss erfahren, dass Schuld und Unschuld nicht immer zu trennen sind.

Was den Film interessant machen könnte:

Mit den Figuren des einsamen Ex-Polizisten und der femme fatale zitiert Diao Yinan den klassischen Detektivfilm. Sein drittes Werk ist ein film noir in entsättigten Farben, das mit diesem Genre spielt und gleichzeitig in das Leben ganz gewöhnlicher Menschen führt.

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Boyhood

USA 2013, 164 Min., Regie: Richard Linklater, Darsteller: Patricia Arquette, Ethan Hawke, Ellar Coltrane, Lorelei Linklater

Um was es geht:

Experimentierfreudig und mit offenem Blick folgt Regisseur Richard Linklater dem Jungen Mason aus Austin von dessen schulischen Anfängen bis zum Eintritt ins College. Er muss mit einer anstrengenden Schwester und geschiedenen Eltern fertig werden. Den freakigen Vater spielt Ethan Hawke, Patricia Arquette die alleinerziehende Mutter, die stets an die falschen Männer gerät und nebenbei ihr Studium erledigt. Mitten in diesem Chaos steht Mason (Ellar Coltrane), dessen kluge Kommentare mit jedem Jahr klüger werden.

Was den Film interessant machen könnte:

Regisseur Richard Linklater arbeitete an diesem Projekt zwölf Jahre lang und holte alljährlich die gleichen Darsteller vor die Kamera. So bekommt der Zuschauer die Möglichkeit, denselben Menschen beim Leben zuzuschauen.

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The Little House (Chiisai Ouchi)

Japan 2014, 136 Min., Regie: Yoji Yamada, Darsteller: Takako Matsu, Haru Kuroki, Hidetaka Yoshioka, Satoshi Tsumabuki, Chieko Baisho, Takataro Kataoka

Um was es geht:

Nach dem Tod der unverheirateten, kinderlosen Taki findet Takeshi, ein junger Mann aus ihrer Verwandtschaft, einige Blätter, auf denen die alte Frau ihre Erinnerungen festgehalten hat. Auf diese Weise erfährt er von ihrer Jugend als Haus- und Kindermädchen bei Familie Hirai in Tokio: Hausherr Masakis Frau Tokiko verliebte sich damals in den Kunstschulabsolventen Shoji, den sie heimlich besuchte. Taki blieb ihr gegenüber aber loyal und kümmerte sich weiterhin pflichtbewusst um sie und ihre Familie. Doch schließlich musste Taki eine herzzerreißende Entscheidung fällen.

Was den Film interessant machen könnte:

Regisseur Yoji Yamada skizziert ein Spiel um verborgene Leidenschaften, das sich vor dem Hintergrund der japanischen Politik und Gesellschaft vor und während des Zweiten Weltkriegs entwickelt.

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Die geliebten Schwestern

Deutschland, Österreich 2014, 170 Min., Regie: Dominik Graf, Darsteller: Hannah Herzsprung, Florian Stetter, Henriette Confurius, Claudia Messner, Ronald Zehrfeld

Um was es geht:

Sommer 1788 in Rudolstadt. Der Dichter Friedrich Schiller und zwei Schwestern aus dem thüringischen Adel verbringen eine unvergessliche Zeit. Die unglücklich verheiratete Caroline von Beulwitz und ihre schüchterne Schwester Charlotte von Lengefeld nehmen ihren Schwur ernst, alles miteinander zu teilen, auch den Autor der "Räuber". Charlotte geht die Ehe mit Schiller ein, sodass die ménage à trois unter dem Deckmantel der Konvention fortgesetzt werden kann. Caroline verlässt ihren Mann. Als sie schwanger wird, zerbricht das fragile Gleichgewicht des Liebesdreiecks. Doch Schiller ringt um beide Schwestern.

Was den Film interessant machen könnte:

Dominik Graf stellt in seinem ersten abendfüllenden Kinofilm seit acht Jahren nicht den Dichter Friedrich Schiller in den Mittelpunkt, sondern die ewig aktuelle Frage: Kann man eine ungewöhnliche Liebe leben? Das kulturelle Zentrum Weimar und die Französische Revolution liefern den Hintergrund zu dieser Liebesgeschichte.

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Grand Budapest Hotel

Großbritannien, Deutschland 2014, 110 Min. Regie: Wes Anderson, Darsteller: Ralph Fiennes, Tony Revolori, Mathieu Amalric, Adrien Brody, Tilda Swinton.

Um was es geht:

Das Hotelfoyer als Theater der Welt. Heimlicher Regisseur wunderbarer Auf- und Abtritte ist der legendäre Concierge Monsieur Gustave. Er kennt die geheimen Wünsche seiner exzentrischen Gäste. Einige Damen wissen es ihm zu danken. So die schrullige Madame D., die ihm ein Renaissancegemälde vermacht. Doch ihr missgünstiger Sohn Dimitri beschuldigt Gustave der Erbschleicherei und des Mordes an seiner Mutter. Gustave landet im Gefängnis. Dank seines glatzköpfigen Mitinsassen Ludwig vermag er sich zu befreien. Im Zuge weiterer turbulenter Ereignisse wird der Page Zero Moustafa sein Vertrauter. Gemeinsam geraten sie in die Wirren einer sich plötzlich dramatisch verändernden Gesellschaft der Zwischenkriegszeit.

Was den Film interessant machen könnte:

Wes Anderson ist Spezialist für hintersinnige Tragikomödien mit exzentrischem Personal. Er war bereits mit "Die Royal Tenenbaums" (2002) und "Die Tiefseetaucher" (2005) im Wettbewerb der Berlinale vertreten. Und auch die Filmfestspiele von Cannes kennt er: An der Croisette war er 2012 mit "Moonrise Kingdom" zu Gast.

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History of Fear (Historia del miedo)

Argentinien, Uruguay, Deutschland, Frankreich 2014, 79 Min., Regie: Benjamin Naishtat, Darsteller: Jonathan Da Rosa, César Bordón, Mara Bestelli, Claudia Cantero, Mirella Pascual, Francisco Lumerman, Tatiana Giménez

Um was es geht:

Ein Polizeihubschrauber kreist über eine eingezäunte Villensiedlung am Rande einer Großstadt. Irgendetwas muss vorgefallen sein. Schon die erste Einstellung erzählt von der Paranoia, die sich wie ein dunkler Schatten über dieses Regiedebüt legt. Es geht um die Angst einer gesellschaftlichen Klasse, die sich immer mehr abschottet. Jenseits der eigenen Abgrenzung vermuten die Wohlhabenden zwielichtige Wesen, die es ganz auf ihr Vermögen abgesehen haben.

Was den Film interessant machen könnte:

Als Argentinien in den Neunzigerjahren von einer schweren Wirtschaftskrise erschüttert wurde, nutzte die Politik Sorgen und Ängste der Menschen aus, um bewusst Verunsicherung zu schüren. In seinem Sittengemälde einer Gesellschaft, die sich zunehmend auseinanderdividiert, reflektiert Benjamin Naishtat diese Entwicklung.

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Jack

Deutschland 2014, 103 Min., Regie: Edward Berger, Darsteller: Ivo Pietzcker, Georg Arms, Luise Heyer, Vincent Redetzki, Jakob Matschenz, Nele Mueller-Stöfen

Um was es geht:

Obwohl erst zehn Jahre alt, trägt Jack die Verantwortung für sich und seinen kleinen Bruder Manuel, was ihn mit Stolz erfüllt. Die Mutter ist alleinerziehend, arbeitet tagsüber und geht abends oft aus. Eines Tages verbrüht sich Manuel beim Baden mit kochend heißem Wasser. Jack wird die Schuld an dem Vorfall gegeben und er landet in einem Wohnheim. Er reißt aus und kehrt nach Hause zurück. Doch wieder einmal ist die Mutter nicht da. Auf der Suche nach ihr durchstreifen Jack und Manuel die Stadt.

Was den Film interessant machen könnte:

Edward Berger und Co-Autorin Nele Mueller-Stöfen beschreiben die Suche zweier Kinder nach ihrer Mutter und versuchen, Verständnis für den Schmerz der Jungen zu entwickeln. Zugleich wirft der Film einen Panoramablick auf Berlin: auf Boulevards und Supermärkte, Nachtclubs, Bars und Parks und auch auf die öden Flächen am Rand der Stadt.

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Kraftidioten

Norwegen, Schweden, Dänemark 2013, 115 Min., Regie: Hans Petter Moland, Darsteller: Stellan Skarsgård, Bruno Ganz, Birgitte Hjort Sørensen.

Um was es geht:

Der in sich gekehrte Nils hält mit mächtigen Schneepflügen die Wege und Bergpässe seiner Gemeinde in der unwirtlichen norwegischen Winterlandschaft frei. Gerade ist er dafür zum Bürger des Jahres gekürt worden, da erreicht ihn die Nachricht, sein Sohn sei an einer Überdosis Heroin gestorben. Nils glaubt nicht an die offizielle Todesursache und beginnt eine heimliche Suche nach den vermeintlichen Mördern. Durch einige überraschende Wendungen wird er zu einem knallharten Helden der Unterwelt, dessen Identität niemand kennt.

Was den Film interessant machen könnte:

Blutig-schwarze Komödie vor winterlich-weißer, schier endlos wirkender Landschaft. Mit schwarzem Humor schildert der Film Nils' Eintauchen in das Gangstermilieu, das von den unterschiedlichen Mentalitäten schwedischer, norwegischer und serbischer Mafiosi geprägt ist. Mit dabei ist auch Bruno Ganz als serbischer Mafiaboss.

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Kreuzweg

Deutschland, Frankreich, 107 Min., Regie: Dietrich Brüggemann, Darsteller: Lea van Acken, Franziska Weisz, Florian Stetter

Um was es geht:

Die junge Maria lebt zwischen zwei Welten. In der Schule ist sie das 14-jährige Mädchen mit den typischen Interessen eines Teenagers. Zu Hause, in ihrer Familie, folgt sie den Lehren der Priesterbruderschaft Pius XII. und deren traditionalistischer Auslegung des Katholizismus. Alles, was Maria denkt und tut, muss die Prüfung vor Gott bestehen. Als es zu Auseinandersetzungen mit Lehrern und Ärzten kommt, verstärken sich die Konflikte. Maria versucht verzweifelt, es allen recht zu machen und gerät so zunehmend ins Kreuzfeuer.

Was den Film interessant machen könnte:

Regisseur Dietrich Brüggemann, der 2012 mit der optimistischen Cliquen-Komödie "3 Zimmer/Küche/Bad" auf sich aufmerksam machte, wendet sich nun einem deutlich ernsteren Thema zu: Er entfaltet das Seelenleiden seiner jungen Protagonistin in den 14 Bildern des Kreuzwegs - von "Jesus wird zum Tode verurteilt" bis "Der heilige Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt".

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Macondo

Österreich 2013, 98 Min., Regie: Sudabeh Mortezai, Darsteller: Ramasan Minkailov, Aslan Elbiev, Kheda Gazieva

Um was es geht:

Eingeklemmt zwischen Flughafengelände, Autobahn und Donauufer hat sich im Wiener Stadtbezirk Simmering hinter Wellblechmauern eine eigene kleine Welt entwickelt: Macondo, eine Flüchtlingssiedlung, in der rund 3000 Asylsuchende aus 22 Ländern untergebracht sind. Einer von ihnen ist der elfjährige Ramasan aus Tschetschenien. Der Vater ist im Kampf gegen die Russen gefallen, so heißt es jedenfalls. Ramasan versucht, dessen Stelle einzunehmen: Er hütet die Schwestern und hilft der Mutter. Als plötzlich Isa, ein Freund des Vaters aus alten Tagen, in Macondo auftaucht, wird Ramasan auf eine harte Probe gestellt.

Was den Film interessant machen könnte:

In ihrem ersten langen Spielfilm entwirft Sudabeh Mortezai das Porträt eines muslimischen Jungen, der in einem schwierigen Lernprozess Fragen von Verantwortung und Ehre für sich beantworten muss. Ein Film der leisen Töne auf der Suche nach der Wahrheit - jenseits von Didaktik und Klischees.

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Praia do futuro (Strand der Zukunft)

Brasilien, Deutschland, 2013, 106 Min., Regie: Karim Aïnouz, Darsteller: Wagner Moura, Clemens Schick, Jesuita Barbosa

Um was es geht:

Das Wasser ist das Element des Rettungsschwimmers Donato und das Meer sein Zuhause. Als zwei Männer in eine gefährliche Strömung geraten, kann er den deutschen Touristen Konrad retten, doch dessen besten Freund holt die See. Trotz dieser Tragik kommen sich Konrad und sein Retter näher. Die starke körperliche Anziehung schlägt in tiefere Gefühle um. Donato folgt Konrad nach Berlin und damit in eine Stadt, die nicht am Meer liegt, in der man sich jedoch neu erfinden kann. Jahre später steht plötzlich Donatos jüngerer Bruder Ayrton vor der Tür und will wissen, warum der ihn, ohne ein Wort zu sagen, verlassen hat.

Was den Film interessant machen könnte:

Mit seinem vielfach ausgezeichneten Spielfilmdebüt "Madame Satã" schaffte es der in Berlin lebende brasilianische Regisseur Karim Aïnouz 2002 nach Cannes. Nun beschäftigt er sich erneut mit Liebes- und Identitätssuchern, die alles riskieren, um zu sich selbst und zu ihren Gefühlen zu finden.

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The Third Side of the River (La tercera orilla)

Argentinien, Deutschland, Niederlande 2014, 92 Min., Regie: Celina Murga, Darsteller: Alián Devetac, Daniel Veronese, Gaby Ferrero, Irina Wetzel

Um was es geht:

Nicolás lebt in einer Kleinstadt in der argentinischen Provinz. Sein Vater Jorge ist ein angesehener Arzt, der ein Doppelleben mit zwei Familien führt. Von Nicolás lässt er sich nicht "Papa" nennen, nach einem gemeinsam verbrachten Tag fährt er zurück zu seiner anderen Familie, die er finanziell wesentlich besser ausgestattet hat. Die Widersprüchlichkeit dieser Parallelwelten wird noch deutlicher, als Jorge Nicolás auffordert, in seine Fußstapfen zu treten. Er soll auch Arzt werden und die Ranch übernehmen, die der Vater geerbt hat und auf kolonialistische Weise führt.

Was den Film interessant machen könnte:

Schon bei "Una semana solos" befasste sich Regisseurin Celina Murga 2007 mit gesellschaftlichen Prozessen und ihren Auswirkungen auf junge Menschen. Das Motiv wiederholt sich nun, wenn sie in the "Third Side of the River" zeigt, wie in dem Jungen die Rebellion gegen das autoritäre und machohafte Verhalten des Alten erwacht. Wie er das offene Geheimnis nicht mehr hinnehmen will, das jeder kennt und alle ignorieren.

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To mikro psari (Staros)

Griechenland, Deutschland, Zypern, 2014, 137 Min., Regie: Yannis, Economidis, Darsteller: Vangelis Mourikis, Vicky Papadopoulou, Petros Zervos

Um was es geht:

Nachts arbeitet Stratos in einer Brotfabrik, tagsüber bringt er für Geld Menschen um. Er muss die Befreiung von Leonidas aus dem Gefängnis finanzieren, der ihm einst das Leben rettete, als er selbst hinter Gittern saß. Für Stratos ist das eine Frage der Ehre. Er hat auch ein Gewissen. Aufmerksam kümmert er sich um das achtjährige Nachbarskind Katerina, dessen Mutter und einen Onkel. Als er das Geld für den Gefängnisausbruch endlich beisammen hat, nimmt das Geschehen eine unerwartete Wendung. Auch die Sicherheit der kleinen Katerina steht nun auf dem Spiel.

Was den Film interessant machen könnte:

In seinem vierten Spielfilm nutzt Yannis Economides die Kinofigur des Auftragsmörders für einen Blick in eine desolate Welt. Die innere Verlorenheit des Titelhelden entspricht dem verzweifelten Lebensgefühl einer Gesellschaft, die sich und ihre Werte aufgegeben hat.

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Tui Na (Blind Massage)

Volksrepublik China, Frankreich, 2014, Regie: Lou Ye, Darsteller: Guo Xiaodong, Qin Hao, Zhang Lei

Um was es geht:

Ma hat als Kind bei einem Unfall sein Augenlicht verloren und muss sich seitdem auf sein Gehör verlassen. Er arbeitet in einer Massagepraxis in Nanjing, seine Kollegen sind ebenfalls blind. Jeder hat seine Geschichte: Yiguang hat beispielsweise seine Sehkraft bei einem Bergwerksunglück eingebüßt, doch er nimmt Ma mit ins Bordell. Mas Kollege Dr. Wang hat eine Verlobte, die weiß, dass ihre Eltern nie einen Blinden als Ehemann akzeptieren werden.

Was den Film interessant machen könnte:

Mit einer Kamera, die die tastenden Bewegungen dieser Menschen aufnimmt, mit einer Tonspur, die auch leise Geräusche wahrnimmt, begibt sich der Film in eine Welt der Dunkelheit. Lou Ye, der in seinem Film sehende und blinde Darsteller eingesetzt hat, begleitet die Figuren ein Stück auf ihrem Weg, forscht ihren Sehnsüchten nach und skizziert in seinem experimentell montierten Film zugleich die Alltagsrealität im modernen China.

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La voie de l'ennemi (Two Men in Town)

Frankreich, Algerien, USA, Belgien 2013, 120 Min., Regie: Rachid Bouchareb, Darsteller: Forest Whitaker, Harvey Keitel, Brenda Blethyn, Luis Guzmán, Dolores Heredia

Um was es geht:

Eine Kleinstadt in New Mexico, umgeben von Wüste, die immer wieder ermordete und verdurstete Mexikaner ausspuckt. Ein Häftling wird aus dem Gefängnis entlassen. William Garnett ist zum Islam konvertiert und hat sich vorbildlich verhalten, er bekommt die Chance, ein neues Leben in der Stadt zu beginnen. Doch er hat eine Vergangenheit, und bald sitzen ihm ein auf Vergeltung sinnender Sheriff und ein ehemaliger Kumpan im Nacken. Halt findet er bei seiner Bewährungshelferin, seinem Glauben und einer neuen Liebe.

Was den Film interessant machen könnte:

Rachid Bouchareb präsentiert mit "La voie de l'ennemi" eine Neuverfilmung des Krimis "Deux hommes dans la ville" von 1973, in dem sich Schriftsteller und Regisseur José Giovanni, der selbst im Gefängnis saß, mit den Ungerechtigkeiten des französischen Justizsystems befasst. Bouchareb verlegt die Handlung in das heutige Amerika. Forest Whitaker und Harvey Keitel verkörpern in diesem kafkaesken Drama die Extreme von Macht und Missbrauch, Versöhnung und Rache.

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Wu Ren Qu (No Man's Land)

Volksrepublik China 2013, 117 Min., Regie: Ning Hao, Darsteller: Xu Zheng, Yu Nan, Huang Bo, Dou Bujie

Um was es geht:

"Das ist eine Geschichte über Tiere", kündigt der Held des Films an, der aus der Großstadt stammende Rechtsanwalt Pan Xiao. Tatsächlich rücken als nächstes zwei stolze Falken ins Bild, die illegal gefangen wurden. Sie sollen eine Menge Bares einbringen, wen scheren Recht und Gesetz? So wird die Gier nach Geld zum Treibmittel für die Story. Und Pan Xiao, der für seinen nächsten Prozess circa 500 Kilometer durch die Wüste reisen muss, zum getriebenen Protagonisten: gepeinigt von hochgefährlichen Zufallsbekanntschaften und mysteriösen Wegbegleitern, die vor Gewalt nicht zurückschrecken.

Was den Film interessant machen könnte:

Regisseur Ning Hao, der 2005 im Forum der Berlinale "Mongolian Ping Pong" zeigte, präsentiert mit "No Man's Land" eine philosophische Parabel auf eine aus allen Fugen geratene Gesellschaft, in der im Kampf um Reichtum und Macht keine moralischen Skrupel mehr gelten.

"Zwischen Welten" mit Ronald Zehrfeld

Quelle: Berlinale Festival

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Zwischen den Welten

Deutschland 2014, 103 Min, Regie: Feo Aladag, Darsteller: Ronald Zehrfeld, Mohsin Ahmady, Saida Barmaki, Burghart Klaußner

Um was es geht:

Jesper ist Soldat bei der Bundeswehr, und obwohl sein Bruder beim Dienst in Afghanistan ums Leben kam, meldet er sich zu einem neuerlichen Einsatz in dem umkämpften Land. Gemeinsam mit seiner Einheit soll er ein abgelegenes Dorf vor den Taliban schützen. Zu Jespers Begleitern gehört der junge afghanische Dolmetscher Tarik, der zwischen Soldaten und Dorfgemeinschaft zu vermitteln versucht. Beiden Seiten fällt es schwer, Unterschiede in der Lebensweise zu überbrücken. Als Tarik, der aufgrund seiner Nähe zu den Deutschen mit dem Tode bedroht wird, auch um das Leben seiner Schwester fürchtet, muss Jesper eine Entscheidung treffen.

Was den Film interessant machen könnte:

Feo Aladag nutzt das Porträt eines Isaf-Soldaten im Afghanistankrieg zum Diskurs über Fragen von Nähe und Fremdheit, Vertrauen und Versagen. Wie human kann jemand handeln, der ins Räderwerk der strengen Militärbürokratie eingebunden ist?

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Quelle: SZ

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La belle et la bête (Die Schöne und das Biest) - Außer Konkurrenz

Frankreich, Deutschland 2014, 112 Min., Regie: Christophe Gans, Darsteller: Vincent Cassel, Léa Seydoux, André Dussollier

Um was es geht:

Im Jahr 1810 treibt ein Schiffbruch einen wohlhabenden Händler und Vater dreier Töchter und dreier Söhne in den Ruin. Die Familie zieht aufs Land und lebt fortan in ungewohnt ärmlichen Verhältnissen. Da schlägt das Schicksal ein zweites Mal zu. Als der Vater in einem verwunschenen Schlossgarten eine Rose für seine Tochter Belle pflückt, wird er vom Besitzer, einem Ungeheuer, zum Tode verurteilt. Furchtlos begibt sich Belle in den Palast, bereit sich für den Vater zu opfern. Doch dort erwartet sie nicht der Tod, sondern ein merkwürdiges Leben, erfüllt von Magie, Luxus und Melancholie. Das Untier verspürt ein immer stärker werdendes Verlangen nach der schönen, jungen Frau. Die nutzt ihren Mut, um das Geheimnis des bösen Zaubers zu entdecken, unter dem ihr unheimlicher Bewunderer leidet.

Was den Film interessant machen könnte:

Die jüngste Verfilmung des weltberühmten Märchens vereint mit Léa Seydoux und Vincent Cassel zwei der derzeit angesagtesten Schauspieler Frankreichs in einer zeitlosen, romantischen Zauberwelt.

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Monuments Men - Außergewöhnliche Helden (Außer Konkurrenz)

USA, Großbritannien, Deutschland 2013, 120 Min., Regie: George Clooney, Darsteller: George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin

Um was geht es:

Nach der Landung US-amerikanischer und britischer Truppen in der Normandie erlässt Hitler den Befehl, dass dem Feind keine Kunstschätze in die Hand fallen dürfen. Was die deutschen Truppen nicht mitnehmen oder verstecken können, soll vernichtet werden. Doch die Alliierten wollen das nicht hinnehmen. Sie installieren eine Truppe von "Kunstschutzoffizieren", die hinter den feindlichen Linien nach gefährdeter Kunst fahnden und sie in Sicherheit bringen soll. Angeführt von dem Kunstexperten Frank Stokes macht sich die Einheit auf den Weg. Dabei hat sie nicht nur gegen die Nazis anzutreten, sondern muss sich auch mit Ignoranz in den eigenen Reihen auseinandersetzen.

Was den Film interessant machen könnte:

Basierend auf dem Buch von Robert M. Edsel, beschreibt der Film die gefährlichste Jagd nach Kunstschätzen, die es je gab. Regisseur George Clooney, der auch die Hauptrolle übernahm, verknüpft komische, tragische und pathetische Momente zu einem Hohelied auf die Retter unwiederbringlichen Kulturguts.

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Nymphomaniac (Außer Konkurrenz)

Dänemark, Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweden 2013, 145 Min. Regie: Lars von Trier, Darsteller: Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Uma Thurman

Um was es geht:

In einer Gasse vor seinem Wohnhaus liest der alternde Junggeselle Seligman eine blutüberströmte junge Frau auf und nimmt sie mit zu sich. Dort erzählt ihm Joe aus ihrem Leben, das von der unstillbaren Sucht nach Sex geprägt ist. Noch nicht erwachsen, geht sie gemeinsam mit einer Freundin auf Sextour, verführt Männer in Wohnungen, Zugabteilen, Kneipen, Büros. Und findet in Jerôme, von dem sie ein Kind hat, eine Konstante in ihrem Dasein. Doch das Glück ist zerbrechlich.

Was den Film interessant machen könnte:

Nach Antichrist (2009) und Melancholia (2011) präsentiert Lars von Trier mit Nymphomaniac den Abschluss seines "Triptychons der Depression". Mit der Beichte einer geschundenen Frau reflektiert er über die Suche nach Sinn und Balance im Leben. Ein zweiteiliger filmischer Entwicklungsroman von Erregung und Verzweiflung, mit historischen und literarischen Bezügen von der Bibel bis zu Tausendundeiner Nacht, vom Dekameron bis zu Marquis de Sade. Bei der Berlinale ist nur der erste Teil dieses Récit initiatique zu sehen, in einer Welturaufführung des längeren Director's Cut.

© SZ.de/pak/mkoh/leja
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