Nachruf auf Alice Munro:Eine Art von Zutrauen

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Nur wenige haben wie sie verstanden, wie sehr das Leben von äußeren Umständen abhängt: die kanadische Schriftstellerin Alice Munro. (Foto: Chad Hipolito/AP)

Die kanadische Schriftstellerin Alice Munro hat die Kurzgeschichte revolutioniert - und eine ganz eigene Form von stiller Größe erfunden. Jetzt ist sie im Alter von 92 Jahren gestorben.

Von Meike Fessmann

Den Nobelpreis hatte man ihr zugetraut, lange bevor sie ihn bekam, viele Kollegen warben für die Meisterin der Short Story, allen voran Jonathan Franzen. Tatsächlich hat Alice Munro die Kurzgeschichte revolutioniert: Sie machte sie länger und komplexer. Bis dahin galt das Ideal, sie sollte kurz und knackig sein. Munro aber entdeckte, wie viel Leben man darin unterbringen kann, ohne die Regel der Knappheit zu verletzen. Sie konnte auch weglassen. Aber den Lebenslauf ihrer Figuren hatte sie im Kopf, komplett, vom Anfang bis zum Ende. Sie wisse sogar, wie die Möbel aussehen, sagte sie einmal. Alles müsse sie wissen, und immer habe sie einen Plan, um ihn beim Schreiben dann zu ändern.

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