Album "Rock or Bust" von AC/DC Beharrlichkeit als Prinzip

Es gibt auf "Rock Or Bust" Momente, in denen sich die Einzelteile nicht ganz so schlüssig ineinander fügen. Da fremdeln Gitarre und Gesang kurz, da springt eine Strophe ein kleines bisschen zu plötzlich in den Refrain. Fällt aber kaum ins Gewicht, weil spätestens nach dem nächsten Refrain Angus Young genau das Pentatonik-Solo runterbrennt, das man hören will.

Die Produktion ist etwas glatt geraten. Brendan O'Brien, der von Aerosmith bis zu den Red Hot Chili Peppers schon jede zweite Riesenband betreut hat, bügelt manches zurecht, was roher hätte stehenbleiben dürfen. Auf den frühen AC/DC-Alben ist gerade das Unfertige, im Blues Verwurzelte oft am beeindruckendsten. Für Ausgleich sorgt Brian Johnsons Stimme. Der Mann ist 67 Jahre alt und kann immer noch rätselhaft hoch kreischen.

Merkt man es der Musik an, dass für "Rock Or Bust" der Neffe Stevie Young (rechts) für Onkel Malcolm eingesprungen ist? Im Großen und Ganzen nicht.

(Foto: James Minchin/Sony Music)

Aber jetzt, nach ganzen Lastwagenladungen von Zigaretten, lässt er gelegentlich auch seine fiese, rasplige Altmännerstimme raus. Er brummt, er lacht ein schmutziges Lachen zwischen zwei Riffs, er knurrt sich durch den Song "Hard Times". Dass AC/DC jemals ein Unplugged-Album aufnehmen könnten, war immer der größte denkbare Unsinn - aber jetzt, dank der Stimme von Brian Johnson, könnte man es sich fast vorstellen.

Die Songs auf "Rock Or Bust" sind durchwegs ordentliche AC/DC-Ware, keine dramatischen Durchhänger, keine Ausreißer nach oben. Wenn man nicht plump sagen will, dass AC/DC-Songs eben nach AC/DC klingen, bleibt einem nur, die gelegentlichen Duftnoten zu benennen: "Miss Adventure" hat einen Refrain mit hohen Chören, den man Van Halen zuordnen könnte.

Zehn Songs - und jeder davon heißt Rock

"Rock the Blues Away" ist eine Dur-lastige Cowboy-Hymne, ein bisschen das Terrain von John Fogerty. "Rock the House" klingt zwanzig Sekunden lang verblüffend genau nach Led Zeppelin, wasserfallartige Bluesläufe, dazwischen Breaks mit dünnem Gesang.

Der Rest: reiner, reduzierter AC/DC-Rock. Keine Überraschungen. Und das ist unbedingt als Pluspunkt zu werten. AC/DC ist tatsächlich die einzige Band der Welt, bei der stumpfe Wiederholung als künstlerischer Gewinn gilt. Niemand würde je fordern, die Band müsste etwas Neues wagen. Beharrlichkeit als Prinzip, man fühlt sich fast an den späten Thomas Bernhard erinnert - hätte dem je einer angekreidet, dass er immer dieselben Tiraden absondert?

AC/DC rocken. Sie haben immer gerockt. Sie werden immer rocken. Sollten die Musiker in zehn Jahren noch in der Lage sein, ein letztes Album aufzunehmen, dann wäre der Traum: Es heißt "Rock". Darauf befinden sich zehn Songs. Und jeder von ihnen heißt ebenfalls "Rock".