Andreas Gabalier - "Vergiss Mein Nicht" (Electrola/Universal)

Andreas Gabalier ist die perfekte Platte gelungen. Doch, doch, das muss man so sagen, weil es aus popökonomischer Sicht keinen Zweifel daran gibt. "Vergiss Mein Nicht" (Electrola/Universal) betreibt eindrucksvoll Zielgruppenmaximierung, hier ist für alle, wirklich alle was dabei. "Verdammt lang her" könnte AC/DC sein, oder Meat Loaf, der seine mächtige Theatralik in eine enge Lederhose gepresst hat. Egal, auf jeden Fall Musik für Rocker. "Hallihallo" klingt dann schon so, als würde jemand gröbsten Ibiza-Baller-Trance auf der Akustikgitarre spielen. Geschunkelt wird fast gar nicht, dafür gibt's Goth-Rock mit grabeskaltem Piano, eine Rap-Einlage und ein Kinderlied aus Lummerland. Gabalier verwischt Genregrenzen und schafft - vielleicht tatsächlich VOLKSmusik. Im Guten wie im Schlechten. Denn sein grenzenloser Pop hat auch eine ganz klare Grenze: die des eigenen Kulturkreises. "I glab an mei Land und die ewige Liab", singt Gabalier in "Kleine steile heile Welt". Und: "In einem christlichen Land hängt a Kreiz an der Wand". Hört Markus Söder eigentlich Volksmusik? Von Julian Dörr

Bild: Electrola/Universal 1. Juni 2018, 05:102018-06-01 05:10:40 © SZ vom 30.05.18/SZ.de/doer/biaz