Alben der WocheZwischen U-Haft und Knast noch eine Platte rausgehauen

Schwesta Ewa erzählt die wirklich wahre Geschichte hinter den Boulevardschlagzeilen. Außerdem: Der beste Schnulzensänger des Internetzeitalters kehrt zurück.

Father John Misty - "God's Favorite Customer" (Bella Union)

Josh Tillman ist für die zeitgenössische Popmusik vielleicht das, was Martin Kippenberger für die Postmoderne war: ein King der ironischen Pointen. Oder zumindest sein immer ein wenig angetrunken wirkender, aber so scharfsinnig wie spöttisch auf unsere Welt schauender Alter-Ego Father John Misty. Auf seinem vierten Album, "God's Favorite Customer" (Bella Union), wendet er den Blick nach innen: Wie immer reichlich ironisch hangelt er sich an den bitterbösen und absurden Momenten einer schiefgelaufenen Liebe entlang. Ein wenig einseitig kann man all diese Selbstreflexion finden - vor allem im Vergleich zum zynischen Rundumschlag des Vorgängers "Pure Comedy". Musikalisch hat Tillman wenig verändert, die schummrigen Harmonien klingen noch mehr nach dem Siebzigerjahre-John-Lennon und die Streichersätze nach dem Symphonie-Rock von Electric Light Orchestra. Wunderbar unterhaltend ist es trotzdem mit diesem eloquenten Erzähler, in dessen Geschichten sich die Gefühle eines einsamen Mannes immer gleich in ein Meme zu verwandeln scheinen. Das macht Father John Misty zum besten Schnulzensänger des Internet-Zeitalters. Von Annett Scheffel

1. Juni 2018, 05:102018-06-01 05:10:40 © SZ vom 30.05.18/SZ.de/doer/biaz