Alben der Woche"Immer die Slums und immer wird gesoffen und ein bisschen gekotzt"

In dieser Woche mit dem Comeback der "Black Keys", wonnigem Irish-Soul von Foy Vance, famoser neuer Musik des Rappers Khary. Und Thom Yorke, der einen Film vertont.

Foy Vance - "From Muscle Shoals" (Gingerbread Man Records)

Bislang unterschätztes Musik-Genre: Irish Soul! Folk, klar: whisky-verhärmte Akustikgitarren, traurig-glasige Augen und Texte übers Verlassenwerden (durch Frauen oder gleich einen sehr katholischen Gott), das im rauen irischen Klima bestimmt noch mal tiefer in die Knochen fährt als anderswo. Oder, um Marcel Reich-Ranickis Bonmot über irische Literatur zu paraphrasieren: "(...) immer die Slums und immer wird gesoffen und ein bisschen gekotzt zwischendurch." Das kennt man. Aber irischer Soul: Mehr was für Großspezialisten. Gut also, dass der doch auch immer noch viel zu unbekannte Foy Vance jetzt vom aufgekratzt-gottesfürchtigen Folk (auf Alben leider immer noch weniger erschütternden als live) auf Soul umschwenkt. "From Muscle Shoals" (Gingerbread Man Records) ist ein Album mit sehr überraschend wonnigen Bläsern, Keys, Bässen und Gitarren, die absolut glaubwürdig durch die Szenerie tänzeln und schwelgen. Und dabei irre gut mit dem rotstichigen Gesang des Iren kontrastieren. Anspieltipp: "Make It Rain". Kennt man eher in der Version von Ed Sheeran. Ist vom Originalkomponisten aber eben doch noch mal besser. Von Jakob Biazza

Bild: From Muscle Shoals 28. Juni 2019, 05:092019-06-28 05:09:14 © SZ.de/qli