Alben der WocheOde an die Knöpfe

Während die Band Ride mit Songs über Studio-Equipment eher langweilt, würde einen der Gesang von Snoh Aalegra selbst dann berühren, wenn sie die Nutzungsbedingungen von Google vorsänge.

Von den SZ-Popkritikern

Sleater-Kinney- The Center Won't Hold (Mom + Pop)

Latent depressive Indie-Disco-Mitgröhl-Hymnen kann es ja eigentlich nie genug geben. Auf dem neuen Sleater-Kinney-Album "The Center Won't Hold" ist ein Prachtexemplar zu hören, der locker hingetrommelte Partysong "Can I Go On". Darin wird die Existenzfrage gestellt: Alle meine Freunde sind super drauf, aber sie sind alle am durchdrehen, heulen herum, sind total gelangweilt - will ich da überhaupt noch weitermachen? So in etwa der Text, den Carrie Brownstein und Corin Tucker singen. Er macht in der Paarung mit dem Orgelgeblubber und den Hu-Hu-Hu-Chören aber die allerbeste Laune. Überhaupt gewinnt man den Eindruck, dass Annie Clark alias St. Vincent genau die richtige Produzentin war für dieses nun zehnte Album der feministischen Band, die sich 1994 in Olympia, Washington, gründete und zur Riot-Grrrl-Bewegung gezählt wird. In 36 sehr kurzweiligen Minuten spielen sich Sleater-Kinney durch elf Songs, Dream-Pop, auch New-Wave-Momente sind dabei, dann krachen die Gitarren so massig hervor, dass es nach Grunge klingt. Es geht um Gefühle des Gebrochenseins, um den Stolz und die Scham alternder (weiblicher) Körper, und die letzte Anweisung zum Weltuntergang lautet: "Be the weapon, be the love!" (in "Bad Dance"). "The Center Won't Hold" ist das Album der Woche! Von Jan Kedves

Bild: Mom + Pop 16. August 2019, 13:232019-08-16 13:23:38 © SZ.de/quli/cag