Shirin David - "Supersize" (Juicy Money Records)

Die Hamburger R'n'B-Sängerin und Rapperin Barbara Shirin Davidavicius alias Shirin David. Sie wurde als Youtuberin und Beauty-Gesamtkunstwerk bekannt, eine "Influencerin". Ihrem Kanal folgen mittlerweile auch schon über 2,6 Millionen Abonnenten. Allein ihre Single "Gib ihm" wurde über 43 Millionen Mal abgerufen, die Hits "Ice" und "Brillis" ebenso millionenfach. Neben Helene Fischer dürfte sie gerade der große weibliche deutsche Popstar schlechthin sein. Alles ist hier grell lackiert und prall und übergroß. Bei "Gib ihm" etwa besteht die Kulisse aus riesigen Versace- und Gucci-Einkaufstüten, das Video ist eine einzige gigantische Feier von Reichtum und Überlegenheit, so ostentativ konsumgeil und absurd sozialdarwinistisch, dass es im Grunde schon wieder ganz harte Ideologiekritik ist: "Sie bezahlen mich dafür / dass ich atme." Wie schrieb einst der große amerikanische Popkritiker Lester Bangs? "Wahre Kunst hat immer menschliche Werte besungen, aber was sollen wir machen, wenn das Äußerste, was unsere größten Kunstwerke bestätigen können, die Angst ihrer Schöpfer ist, zusammen mit dem Rest der Menschheit langsam aber sicher jeden Funken von Menschlichkeit zu verlieren?" Von Jens-Christian Rabe

20. September 2019, 04:502019-09-20 04:50:35 © SZ.de/qli