Alben der Woche"Ich musste dich verlieren, um mich zu finden"

Selena Gomez singt Kalendersprüche über Justin Bieber - und versteckt damit fast, dass ihr Album "Rare" ziemlich gut ist. Dazu: Der jetzt schon beste Rapper-Name des Jahres und Neues von Balbina und "Mint Mind".

Balbina - "Punkt." (Bmg Rights Management/ Warner)

Wenigstens Balbina hat Hoffnungen. Am Ende des Auftaktsong zu ihrem neuen Album "Punkt." (Geschrieben mit Punkt, nicht ohne.) trompetet sie exaltiert: "HOFFNUNG! UND LIEBE!" Hoffnungen können jedem passieren, sie gehen Gott sei Dank meist schnell wieder weg. Hier bereits im zweitem Song, "Weit Weg." featuring Ebow. In dem fragt Balbina sich, wo sie Fehler macht. Um die Ecke, in der Welt der vergessenen Dinge mutmaßlich. Arme Balbina. Aber abgefahrenes Timbre hat sie schon. Im dritten Song packt sie die Wanderlust, was zeigt, dass Balbina weiß, was die deutsche Seele bewegt. Sie spricht das Wort allerdings "Wandäärluuuust" aus, mit einem Akzent, der an "zu Asche, zu Staub" aus "Babylon Berlin" erinnert. Balbinas Texte nähern sich auf dem neuen Album stellenweise dem Emopop an, der hierzulande die Charts zumüllt. Dabei konnte sie doch mal das Absurde? Da waren die skurril verkopften Texte ihr Alleinstellungsmerkmal und ergaben kombiniert mit mainstreamkompatiblen German Gefühligkeitssound ziemlich erhellende Kontraste. Schade. Sie droht im Song "Augenblick" jedenfalls, für immer zu bleiben. Er ist gerahmt von bizarrer Kirmesmusik mit rhythmischem Gefurze. Das ist ziemlich lustig. Außerdem hat sie Rammstein gecovert. Und zwar "Sonne.". Auch mit Punkt. Von Juliane Liebert

Bild: Bmg Rights Management (Warner) 10. Januar 2020, 05:072020-01-10 05:07:41 © sz.de/biaz/sikt