Alben der WocheFahrstuhlmusik für Pinguine auf dem letzten Eisberg

Morrissey frönt einer Art kalifornischem Biedermeier, Flying Lotus funkt Signale aus der Vergangenheit und Amyl and the Sniffers sind sehr, sehr wütend.

Von den SZ-Popkritikern

Flying Lotus - "Flamagra" (Warp)

Die Leitidee für das neue Album "Flamagra" (Warp) von Flying Lotus war eine Flamme auf einem Hügel. Dann hörte der Musiker David Lynch auf einer Party etwas erzählen - und diese Worte wurden zum Keim des Albums. Flying Lotus, bürgerlich Steven Ellison, ist als Großneffe von Alice Coltrane und der Enkelin einer Motown-Songwriterin wohl unbestreitbar Teil des schwarzen Musik-Adels. Adel verpflichtet bekanntlich, ebenso wie das musikalische Erbe von Jazz über Soul bis Hip-Hop. Flying Lotus' Kompositionen scheinen von dieser Verpflichtung durchdrungen, aber nie beschwert. Für ihn ist sie ein hyperaktives Spiel. Da können schon mal ein halbes Dutzend Genres innerhalb eines Song gewürdigt werden, bevor sie in sphärisch zerfließen. "Fire Is Coming" heißt der Song, dessen Vocals Lynch eingesprochen hat. Auch sonst gibt es viele illustre Gäste: Anderson Paak, Little Dragon oder Solange. Die Musik ist mal Vaporwave-Jazz, mal Elektro-Frickel-Rap. Verzerrte Disco-Drums, allerhand fein arrangiertes Knacken und Synthies, warm, körperlos und melancholisch wie ein Internetlagerfeuer. Das Album umfasst 27 Klangkapitel, manche nur wenig mehr als eine Minute lang, andere ausgewachsene Songs. Starke Signale aus der Vergangenheit an die unübersichtliche Gegenwart - und umgekehrt. Von Juliane Liebert

Bild: Warp 24. Mai 2019, 05:242019-05-24 05:24:52 © SZ vom 22.05.2019/tmh