Alben der WocheWarum sind wir so schwer?

Sarah Connor will ans Meer, Skepta hält sich für zu erfolgreich und Lee "Scratch" Perry reimt "Paul McCartney" auf "Monkey Reggae Party".

Von den SZ-Popkritikern

Lee "Scratch" Perry - "Rainford" (On-U Sound)

1936 kam ein schwarzer Engel auf die Welt, man nannte ihn den Upsetter. Er revolutionierte von Jamaika aus den Pop, indem er erkannte, dass sich aus den Essenzen des Reggae wunderbar vollgequarzte Dub-Kathedralen bauen lassen, wenn man nur die Magie des Mischpults, seine Kanäle und Hall-Effekte ausschöpft. Jetzt, mit 83 Jahren, veröffentlicht Lee "Scratch" Perry ein neues Album. Es heißt "Rainford", so wie er selbst mit bürgerlichem Vornamen. Alles hier ist herrlich - nicht allein, weil es ja grundsätzlich schon anrührend ist, wenn eine Pop-Legende, die man immer für halb wahnsinnig, aber eben auch für hundertprozentig genial hielt, im hohen Alter ihre Autobiografie als Privatmythologie einsingt. Adrian Sherwood hat alles schön satt und federnd, bassmächtig und bekifft produziert. Die Tracks heißen "Kill Them Dreams Money Worshippers" und "Run Evil Spirit" - wie Songs heißen müssen von einem, der als schratig gilt, weil er sich mit Spiegelchen beklebt, zur Abwehr böser Mächte, der aber doch nur das Beste für die Welt will. Am tollsten ist der Gospel-Blues-Reggae "Let It Rain". In ihm singt Perry zu Celli: "Don't be naughty, like Paul McCartney ... monkey reggae party". Noch Fragen? Von Jan Kedves

Bild: Label 31. Mai 2019, 05:152019-05-31 05:15:08 © SZ.de/qli