Lily Allen - "No Shame" (Parlophone/Warner)

Man darf sich von all dem karibischen Marimba-Gebimmel und sanften Offbeat-Gezucke, von den Dancehall-Schlenkern und Synthie-Kloppern nicht ablenken lassen. Unter der sehr zeitgenössischen, im Windkanal der Pop-Trends optimierten Oberfläche von Lily Allens neuem Album "No Shame" (Parlophone/Warner) lauern tiefe menschliche Abgründe. Hier gibt es keine Scham, alles wird offen gelegt. "I'm a bad mother, I'm a bad wife/ You saw it on the socials, you read it online", heißt es schon im ersten Song. Auftritt: Lily Allen, Mutter von zwei Töchtern, frisch geschieden, Popstar.

Was nun folgt sind Geschichten aus dem einsamen, miesen Leben. Hier verlieren sich die Protagonisten in Suff, Sucht und Selbstzerstörung. Herzen brechen, Familien auch. Irgendwo vermischen sich Alltag und Ausnahmezustand, Kunst und Künstlerleben. "No Shame" ist ein Selbstenthüllungs- und Selbstentzauberungsalbum. Und Lily Allen wieder das, was sie zu Beginn ihrer Karriere vor beinahe zwölf Jahren schon einmal war: eine der freiesten Schnauzen des Pop. Von Julian Dörr

Bild: Warner Music 8. Juni 2018, 08:372018-06-08 08:37:32 © SZ vom 6. Juni 2018/ SZ.de/crab/biaz