Get Well Soon - "The Horror" (Caroline)

Was kommt nach der Liebe? Für Konstantin Gropper ist es der Horror. Der deutsche Songschreiber und Multiinstrumentalist hat nach der sehr gelungenen (weil facettenreichen) Liebesliedsammlung "Love" ein neues Album aufgenommen. Es heißt "The Horror" (Caroline), und genauso klingt es auch. Eine Platte voller Albträume und Filmmusikfetzen wie aus alten, grobkörnig flackernden Grusel-B-Movies. Die Songs auf "The Horror" lassen sich Zeit, sie dräuen am Horizont wie dunkle Wolken, die Geigen schwelgen und zittern, die Bläser flöten sanft. "Martyrs" und "The Only Thing We Have To Fear" sind ohne Zweifel das Werk eines begnadeten Arrangeurs.

Konstantin Gropper und sein Projekt Get Well Soon sind schließlich auch das Nächste, was dieses Land an jüngeren Indie-Talenten vom Schlag eines Win Butler von Arcade Fire zu bieten hat. Es gibt hierzulande ja leider viel zu wenige Typen, die sich mit Verve und ohne Zweifel in überbordenden Irrsinn werfen. Gropper ist so einer. Er baut seine Musik nach dem Motto "Denke groß!". Nur leider fehlt ihm dabei doch bisweilen das letzte Quäntchen Songschreiberglück. Im dichten, dramatischen Nebel der Arrangements verliert sich auf "The Horror" nicht nur der Hörer, sondern auch die Songs selbst. Von Julian Dörr

Bild: Caroline 8. Juni 2018, 08:372018-06-08 08:37:32 © SZ vom 6. Juni 2018/ SZ.de/crab/biaz